Gehört und Gesehen - Olé Olé Olé! – A Trip Across Latin America

20.06.2017The Rolling Stones

The Rolling Stones

Olé Olé Olé! – A Trip Across Latin America

Eagle Rock Entertainment (2017, DVD/Blu-ray)

Man sollte meinen, eine Band, die 55 Jahre im Musikgeschäft ist und das Ausmaß der Rolling Stones hat, hat alles gesehen, was es zu sehen gibt und langsam genug davon. Doch die vier Jungs aus England scheinen noch immer nicht genug zu haben und sind nicht aufzuhalten. Ihr Ziel: sie wollen Shows von enormem Ausmaß in Lateinamerika zu stemmen. Dort, wo Rock `n` Roll viele Jahre lang verboten war. Nicht einmal Ex-US-Präsident Obama oder der Papst halten sie und ihre Crew davon ab, ihr Ziel zu erreichen.

Der Film zeigt die besondere Verbindung, die die Band mit ihren Fans teilt. Um diese zu verstehen, erzählen Mick Jagger und einige Einheimische von der Vergangenheit ihrer Länder, in denen Diktaturen und damit eine strenge Musikzensur herrschten. Rockmusik galt daher als Form der Rebellion. Wer sie hörte, wurde festgenommen oder gar verhaftet.

Somit wurde Rockmusik für die Menschen in Südamerika zum Symbol der Freiheit und die Rolling Stones zu ihren Helden. Man sollte meinen, dass es für die Rolling Stones ein Klacks sei, eine Show in Havanna auf die Beine zu stellen. Doch bei den Vorbereitungen werden ihnen einige Steine in den Weg gelegt. Denn es ist nicht einfach nur irgendeine eine Show, sondern ein Konzert der Superlative vor 450.000 Fans bei Vollmond und freiem Eintritt. So etwas hat es in Kuba zuvor noch nie gegeben.

Mit diesem Wissen ist es weniger verwunderlich, dass ein männlicher Fan allein beim Anblick des vorbeifahrenden Autos, in dem Mick Jagger und Co. sitzen, in Tränen ausbricht. Oder dass einige Fans in Argentinien drei Tage vor dem Hotel ausharren, in dem die Band residiert, um komplett auszurasten, wenn Keith Richards ans Fenster tritt. Viele von ihnen zelebrieren ausgiebig mit ihren Familien, denn es könnte das letzte Konzert sein, das die Rolling Stones in ihrem Land spielen.

Doch abgesehen von hysterisch kreischenden Fans und bewaffneten Polizeieskorten auf Motorrädern zeigen sich die Stones von einer eher bodenständigen Seite. Ron Wood besucht seinen alten Freund Ivald Granato in São Paulo, um mit ihm Graffiti zu sprayen und auf einer Leinwand zu malen. Keith Richards macht einen Anti-Regentanz. Mick Jagger trifft Fans, die 1995 das erste Konzert der Rolling Stones in Argentinien besucht haben und die Musik in ihrem Land weiterverbreitet haben. In Uruguay, wo die Stones bisher noch nie zuvor aufgetreten sind, besucht die Band eine Familie von Trommlern.

Die gemeinsamen Erinnerungen sind der Klebstoff, der sie zusammen hält, sagt Keith Richards.

Herausragend ist vor allem die Euphorie bei Live-Shows, bei denen Jung und Alt gemeinsam zelebrieren. Nach jahrelanger Unterdrückung hätten es viele der älteren Generation nicht für möglich gehalten, ihre Idole einmal im eigenen Land live zu erleben. Die Rolling Stones verbinden sie mit viel mehr als bloß Musik. Ein Kubaner erzählt, wie er vor 50 Jahren festgenommen wurde, weil er die Stones hörte. Nun kann er die Musik in Freiheit hören.

„Musik kennt keine Grenzen“, drückt es ein junger Kubaner aus.

Sie mögen nicht mehr die Jüngsten sein, aber dass sie es noch immer durchziehen, spricht für sich. Zu Anfang mag man vielleicht denken, der Hauptgrund dieser gigantischen Shows sei Geldmacherei. Aber vielleicht steckt doch ein wenig mehr dahinter. The Rolling Stones haben mit ihrer Reise durch Lateinamerika ein Stück Musikgeschichte geschrieben.


Lisa Eimermacher
(8 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.rollingstones.com

Weitere oder ähnliche CD/DVD-Besprechungen:
The Rolling Stones - Totally Stripped (2016)
The Rolling Stones - Sticky Fingers (2015)
The Rolling Stones - GRRR! (2012)
© Copyright: Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Weitere Infos + Nutzungsbedingungen im Impressum
Zur Übersicht Zur Startseite