Gehört und Gesehen - After Laughter

22.05.2017Paramore

Paramore

After Laughter

Atlantic/Warner (2017, CD)

Davon, dass das Leben kein Zuckerschlecken, dafür aber eine reine Achterbahnfahrt der Gefühle ist, kann Paramore ein Lied singen. Harte Zeiten, Schicksalsschläge, zerbrochene Freundschaften, die Liste lässt sich weiter fortsetzen. Trotz all der tragischen Erlebnisse bewahrt sich Paramore ihren erfrischend ehrlichen Blick auf das Leben. Mit ihrem aktuellen, fünften Album „After Laughter“ beweist die Band aus Franklin bei Nashville, Tennessee, dass der Grat zwischen Lachen und Weinen oft schmal ist.

Nach der dramatischen Trennung der Band von Gründungsmitgliedern Zac und Josh Farro im Jahr 2010 konterten Hayley Williams, Taylor York und Jeremy Davis mit dem erfolgreichen self-titled Album „Paramore“. Doch der Höhenflug währte nicht allzu lange. Und so ließ Ende 2015 der nächste Tiefschlag nicht auf sich warten, als Bassist Jeremy Davis nach einem rechtlichen Streit die Band verließ.

In den vergangenen Jahren näherten sich die beiden verbliebenen Bandmitglieder Hayley und Taylor wieder mit Drummer Zac Farro an und bauten ihre Freundschaft wieder auf. Nun ist Zac wieder festes Mitglied der Band und war auch am aktuellen, fünften Album „After Laughter“ beteiligt.

„„After Laughter“ beschreibt den Gesichtsausdruck, den Menschen haben, nachdem sie intensiv gelacht haben. Der Moment, wenn sie wieder in der Realität ankommen“, so erklärt es Sängerin Hayley Williams in einem Interview der Band mit Fernsehmoderator, Produzent und DJ Zane Lowe. Bereits mit der ersten Single „Hard Times“, die in die Fußstapfen der Erfolgssingle „Ain’t It Fun“ aus dem vier Jahre zurückliegenden „Self-Titled“-Album tritt, lieferte sich das Trio aus Nashville ein schrilles Comeback. Was zuerst als poppig-fröhlicher Song mit Marimba-Sounds daherkommt, enttarnt sich als der bitter-süße Anfang eines tiefen, dunklen Sees aus Emotionen. Der Tauchgang lohnt sich.

Die perfekte Balance aus herzzerreißenden Lyrics und vorwiegend energiegeladenen und rhythmischen Melodien zieht sich durch das gesamte Album. „Come on, we’ll laugh till we cry“, heißt es im Song „Grudges“, in dem es um Hayleys und Zacs wiedergefundene Freundschaft geht.

Musikalisch überrascht das neue Album dennoch ein wenig, auch wenn die beiden Singles „Hard Times“ und „Told You So“ bereits einen ersten Einblick erlaubten. Zugegeben, einige Songs dürften für manche Fans anfangs etwas gewöhnungsbedürftig sein. Es wurde sich nicht gescheut, mit verschiedenen Sounds zu experimentieren.

Eine große Rolle bei der Entstehung des Albums hat Gitarrist Taylor York übernommen, der „After Laughter“ gemeinsam mit Justin Meldal-Johnsen produzierte. Auch Zac Farros Einflüsse seines Projekts „Half Noise“, sind hörbar. Auffällig ist außerdem „No Friend“, auf dem Hayley Williams nicht singt. Für diesen Song holte sich Paramore Verstärkung von MewithoutYou-Sänger Aaron Weiss an Bord.

Highlights sind Songs wie „Fake Happy“, „Caught In The Middle“, „Hard Times“, „Told You So“ und „Grudges“, welcher Sommergefühle á la Best Coast auslöst.

Dass Hayley ein Händchen für starke Lyrics hat, ist bekannt. Mit der Zeile: „Of all the weapons you fight with, your silence ist the most violent“ setzt sie dem letzten Song „Tell Me How“ die Krone auf. Genau das ist es, was Paramore-Fans an ihnen schätzen – die Ehrlichkeit und der Mut, ihre wahren Gefühle - und seien sie noch so intim und schmerzhaft - mit ihnen zu teilen.

Das Wachsen und Reifen war schon immer ein wichtiges Thema von Paramore. Im Gegensatz zu den vorangegangenen Paramore-Alben sind die behandelten Themen und Probleme dieses Mal noch nicht abgeschlossen und im Nachhinein betrachtet, wie Frontfrau Hayley Williams erzählt: “Ich fühle mich, als lebe ich noch einige Songs von „After Laughter“ in Echtzeit aus“.

Mit einem Mix aus Synthie-Klängen, Streichern, Disco-Einflüssen wagen sich Paramore noch weiter in neue Gefilde, ohne ihre Wurzeln zu vergessen. „After Laughter“ ist eines dieser Alben, die man mehrmals hören muss, um sie besser zu verstehen und immer neue, besondere Details zu entdecken. Diese vielschichtigen Facetten machen das Album spannend.


Lisa Eimermacher
(9 / 10 Pkt.)

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