Gehört und Gesehen - Something Else

05.05.2017The Cranberries

The Cranberries

Something Else

BMG Rights Management (2017, CD)

Manchmal geraten die Dinge ganz von selbst ins Rollen. So ähnlich schien es auch bei den Cranberries gewesen zu sein. Nach ihrer Performance beim Staffelfinale der US-Fernseh-Show „The Bachelorette“ im Jahr 2012 kam Sängerin Dolores O’Riordan wieder in Kontakt mit Cranberries-Co-Schreiber Noal Hogan. Ein Auftritt mit dem Irish Chamber Orchestra in ihrer Geburtsstadt Limerick und das 25-jährige Bandjubiläum vor zwei Jahren inspirierte Dolores O’Riordan, gemeinsam mit ihren Bandkollegen ein Akustikalbum aufzunehmen.

Der Titel der neuen Veröffentlichung „Something Else“ ist angelehnt an das erste Album „Everybody Else Is Doing It, So Why Can’t We“ aus dem Jahr 1993, mit dem The Cranberries erste internationale Erfolge feierten.

„Something Else“ ist in der Tat etwas Anderes und dennoch gleichzeitig vertraut. Das Album besteht aus insgesamt 13 Tracks, mit den größten Hits wie „Zombie“, „Ode To My Family“, „Dreams“ und „Ridiculous Thoughts“ in Akustikversionen und „unplugged“ Besetzung, sowie drei neuen Songs. Begleitet wird die irische Band um Frontfrau Dolores O’Riordan, Gitarrist Noel Hogan, Bassist Michael Hogan und Schlagzeuger Fergal Lawler vom IrishChamber Orchestra.

Für die Aufnahmen verbrachte die Band rund zwei Wochen in der Universität Limerick. Dem Ort, den das Irisch Chamber Orchestra sein Zuhause nennt. Dort wurden extra kleine Kabinen errichtet, damit der Klang der Instrumente wie bei einer Liveaufnahme klingt. Der Charme der Streicher, die Akustikinstrumente und die unverkennbare Stimme Dolores O’Riordans ergänzen sich zu stimmungsvollen Akustikversionen und lassen die Klassiker damit aufleben.

Die drei neuen Songs „The Glory“, „Rupture“ und „Why“ sind perfekt mit Hits wie „Zombie“, „Linger“ und „Just My Imagination“ verstrickt und runden das Album ab. In „Rupture“ geht es um Depressionen. „Why“ schrieb die Sängerin kurz nach dem Tod ihres Vaters.“The Glory“ klingt wie eine heiße Tasse Tee an einem verregneten Nachmittag.

„Das Leben ist manchmal so hektisch, dass man Vergangenes und die Chancen, die man hatte, oft vergisst. Ich denke, davon handelt auch das neue Album", fasst Dolores O’Riordan zusammen. Genau dieses Gefühl erzeugt das Album. Die Musik gibt die Möglichkeit, den Sorgen und dem Alltagsstress für einen Moment zu entfliehen.

Ganz automatisch scheint man in die Gewohnheit zu verfallen, sich in Vergleichen der neuen Versionen und Songs mit den Originalen zu verlieren. Darum sollte es aber gar nicht gehen. Sondern darum, die Musik zu genießen. In Erinnerungen schwelgen ist selbstverständlich erlaubt. Genau das tut die Band auch selbst, was keinesfalls verwerflich ist, denn ihre ohnehin zeitlosen Klassiker interpretieren The Cranberries zeitgemäß und ohne Übertreibungen.

Ihr Plan, ein Akustikalbum aufzunehmen, um die Vergangenheit mit der Gegenwart zu verbinden, ist aufgegangen. O’Riordan behält recht, wenn sie sagt, dass die Songs jetzt erfahrener und dennoch viel frischer klingen.


Lisa Eimermacher
(8 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.cranberries.com

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The Cranberries - Roses (2012)
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