Gehört und Gesehen - More Scared Of You Than You Are Of Me

11.04.2017The Smith Street Band

The Smith Street Band

More Scared Of You Than You Are Of Me

Side One Dummy/Pool House Records/Uncle M/Specialist Subject (2017, CD)

Das neue Album „More Scared Of You Than You Are Of Me“ schubst den Hörer kopfüber in die Welt von The Smith Street Band. Und das ist okay, denn die imaginäre Reise nach Australien lohnt sich. Also schnell die Badehose oder den Bikini eingepackt und ab in den nächsten Flieger in die Heimat der „Smithies“, wie sie von ihren Fans liebevoll genannt werden. Gleich der erste Song „Forrest“ prescht vorwärts und reißt den Hörer mit.

Im Laufe der Reise wird einem dann langsam bewusst, dass die Menschen, die auf so einem sonnigen Fleck der Erde leben, ähnliche Dinge beschäftigen wie einen selbst und diese Leute,trotz all des Sonnenscheins,auch ihre Probleme haben.

Die vier „Mates“ der Smith Street Band nehmen sich selbst nicht zu ernst und haben hörbar Spaß am Musikmachen.Was zuerst vielleicht nach purer Gute-Laune-Musik klingt, sind in Wahrheit vielschichtige und autobiografische Geschichten aus dem Leben von Sänger und Gitarrist Will Wagner, mit denen man sich identifizieren kann.

Diese Geschichten zeigen, dass Herzschmerz und überglückliche Momente sehr nah beieinanderliegen können und sich auch teilweise abwechseln.Wil Wagners humorvolle, teils selbstkritische und bittersüße Texte harmonieren perfekt mit dem folk-pop-punkigen Sound seiner Bandkollegen Lee Hartney, Michael „Fitzy“ Fitzgerald und Chris Cowburn.Die Band weiß Bläser, Streicher und einen Chor gekonnt auf die individuellen Songs abzustimmen.

Die zweite Single „Birthdays“ handelt nicht nur von einem Treffen auf einem Pier im australischen Hobart und featured die australische Singer-/Songwriterin Jess Locke. Die Lyrics des Refrains in „Birthdays“: „Wanna be alone, wanna be surrounded, wanna be transient, wanna be grounded“ beschreiben die sich widersprechenden Gedanken, die Sänger Will Wagner nur zu gut kennt. Damit möchte er auch auf die Wichtigkeit von psychischer Gesundheit aufmerksam machen.

Der letzte Song „Laughing (Or Pretending To Laugh)“ ist beispielhaft für den abwechslungsreichen Klang des Albums. Trotz vermeintlicher technischer Störungen, wird gelassen weitergespielt und der Huster am Ende darf auch bleiben.

Musikalisch erinnern die „Smithies“ stark an The Front Bottoms, Joyce Manor, Hop Along, Modern Baseball und Apologies, I Have None. Trotz all der Vergleiche haben sie dennoch ihren eigenen, wiedererkennbaren Sound.

Es muss nicht jeder Ton getroffen werden und es darf auch gerne etwas chaotisch sein. Hauptsache, die Songs sind ehrlich und ungezwungen. Diese authentische Art macht die Smith Street Band aus und ist sympathisch.

„More Scared Of You Than You Are Of Me“ besteht aus Songs zum Erwachsenwerden. Die Mischung aus Melancholie, Nostalgie und Hoffnung ist nicht nur etwas für verwirrte Teenager. Denn das Erwachsenwerden und die Suche nach sich selbst hören bekanntlich nie wirklich auf. Und so bleibt der Wunsch, dass die „Smithies“ mit dem Erwachsenwerden auch noch ein bisschen warten und ihre charmante Art beibehalten.


Lisa Eimermacher
(8 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.thesmithstreetband.com
www.facebook.com/thesmithstreetband

Weitere oder ähnliche CD/DVD-Besprechungen:
The Smith Street Band - Throw Me In The River (2014)
The Smith Street Band - Don´t Fuck With Our Dreams (2014)
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