Gehört und Gesehen - Let Me Fly

11.04.2017Mike + The Mechanics

Mike + The Mechanics

Let Me Fly

BMG Rights Management (2017, CD)

Mike Rutherford, musikalischer Erfinder und Kopf des Bandprojekts Mike + The Mechanics, hat den Dreh, kommerziell erfolgreiche Soul-Pop-Musik zu komponieren und zu produzieren, seit Jahrzehnten raus. Auch mit dem neuesten Album -„Let Me Fly“- ändern Rutherford und seine musikalischen Mitstreiter Andrew Roachford und Tim Howar auch im 32.Jahr des Bestehens der Projekt-Band ihr Erfolgsrezept nicht. Für Fans bietet das Album verlässliche und vertraute Songs und Sounds.

Über Mike + The Mechanics und ihr Album „Let Me Fly“ kann man leidenschaftlich und kontrovers diskutieren, wenn man mag. Bei allem muss man jedoch auf gewisse Weise Mike Rutherford´s Background als ebenfalls maßgeblicher Akteur der legendären Progressive-Rock und Pop-Rock-Band Genesis ausklammern, sonst gerät man womöglich ins Schlingern, denn dies hier ist eine ganz andere Baustelle.

„Let Me Fly“ bietet mainstreamigen Radio-Soul-Pop allererster Güte. Locker-flockige und unkompliziert durchhörbare Ohrwürmer in einem Soundgewand, das keinerlei größerer Aufmerksamkeit bedarf. Zwischen balladesk und knackig flott rangieren die zwölf Songs, die man sich sowohl laut als auch leise im Autoradio oder am Arbeitsplatz vorstellen kann. Für Sympathisanten und Fans dürften über weite Strecken gute Laune und Frühlingsgefühle vorprogrammiert sein.

Die harmonischen, wohl-temperierten Songs kratzen nicht, sie beißen nicht, sie ecken nicht an, sondern sind vielmehr freundliche Begleiter, die auch als Hintergrundmusik hervorragend funktionieren dürften, vorausgesetzt, die Hörerin oder der Hörer sind es gewohnt, bei unterschiedlichen Tätigkeiten nebenbei Musik zu hören, die nicht stört oder gar aufrüttelt.

So gesehen, ist „Let Me Fly“ eine durchaus angenehme Platte. Anderseits wirkt die Produktion ein wenig künstlich, Kompositionen, Arrangements und Aufnahmen nüchtern kalkuliert und wie an der ständig gleichen Schnur gezogen. Synthesizer, Drumcomputer, Percussioneffekte, cleane Gitarre, Bläser aus der Konserve und darüber dann die analoge, gefühlvolle Soul-Pop-Stimme von Andrew Roachford. So setzt sich das Gemisch zusammen. Gewissermaßen fühlt man sich an die Zeit der Songs und Sounds aus der Ära zwischen Mitte/Ende der Achtzigerjahre und der frühen Neunziger erinnert. Mainstream, große Radiostationen, Chart-Hits.

Was für Fans und andere geneigte Hörerinnen und Hörer ein angenehmer Hörgenuss sein dürfte, kann für andere doch ziemlich blutarm, ausgelutscht und mehr nach kommerziellem Projekt, denn nach „richtiger“ Band klingen. Man kann über diese Band und dieses Album sehr unterschiedlicher Meinung sein.


Andreas Haug
(5 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.mikeandthemechanics.com
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