Gehört und Gesehen - Fingers Crossed

26.08.2016Ian Hunter

Ian Hunter

Fingers Crossed

Proper Records (2016, CD)

Ältere Rockfans mögen sich im Zusammenhang mit Ian Hunter an die britische Rockband Mott The Hoople erinneren, deren Lead-Sänger und maßgeblicher Songwriter Hunter zwischen 1969 und 1974, als sich die Band auflöste, war. Seit 1975 ist Ian Hunter solo unterwegs, tourt seitdem regelmäßig und veröffentlicht Alben. 20 Stück sind es bislang. Für sein neuestes Werk „Fingers Crossed“ hat der inzwischen 77-Jährige zehn neue Songs aufgenommen, darunter eine Hommage an David Bowie.

Schon Anfang der 70er zählte der leidenschaftliche Musiker und Songschreiber Ian Hunter zu den umtriebigen Akteuren im Rock´n´Roll Zirkus. Er pflegte unter anderem Freundschaften zu David Bowie oder den Musikern mit Queen. Musiker von Bands wie Sex Pistols und The Clash nennen ihn als wichtige Inspirationsquelle. Als er 1974 mit Mott The Hoople letztmals auf Tournee ging, spielte die seinerzeit noch nicht ganz so populäre Band Queen im Vorprogramm. David Bowie steuerte für Hunter und seine Band den Song „All The Young Dudes“ bei, der zum Titeltrack eines Albums wurde, das Bowie obendrein produzierte.

Ian Hunter steht für Rock und Rock´n´Roll. Diesen pflegt er auch auf seiner 2016er-Veröffentlichung „Fingers Crossed“. Lässig, groovig und mit mit rauer, ausdrucksstarker Stimme. Gut abgehangener Rock´n´Roll, der in ähnlicher Machart auch 1972 auf Platte hätte veröffentlicht werden können. Weniger schnörkellos, denn zuweilen mit gutem Gespür feinfühlig wie geschmackvoll komponiert und arrangiert.

Gleich der zweite Song auf „Fingers Crossed“ ist „Dandy“, die Hommage an David Bowie und kompositorisch wie eine Fortführung von „All The Young Dudes“. Hunter dürfte sich hierbei an jüngere Jahre zurückerinnert gefühlt haben. Die Textzeile daraus „(…)and then we took the last bus home(…)” möge er besonders, wie man im Infotext des Labels erfährt, gleichzeitig sei es Hunters Lieblingssong.

Die ersten Minuten des Albums wirken durchaus gewöhnungsbedürftig, ist doch der Musiker so traditionsbehaftet unterwegs, dass man meinen möchte, man befinde sich in einem altehrwürdigen Museum, dessen Räume mal wieder ordentlich durchgelüftet werden könnten. Ist man nach ein paar Stücken mehr oder wenig in „Fingers Crossed“ drin, versprüht das Album Charme unvergänglicher klassischer, handgemachter und gefühlvoller Rockmusik mit der besonderen Note von Ian Hunter.

Hunter vermittelt sich hier als einer der wenigen noch aktiven Genre-Protagonisten, die schon zu Frühzeiten des britischen Rock, Hardrock und Rock´n´Roll dabei waren und hier Spuren hinterlassen haben. Hut ab!


Andreas Haug
(6 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.ianhunter.com

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