Gehört und Gesehen - Lebenslänglich

26.02.2016Niedeckens BAP

Niedeckens BAP

Lebenslänglich

Universal Music (2016, CD)

40 Jahre ist es her, dass in Köln die Band BAP um deren Sänger Wolfgang Niedecken gegründet wurde. Seit 1976 ist natürlich jede Menge passiert, nach einer relativ konstanten Phase Anfang der Achtziger, wechselte die Besetzung um Niedecken häufiger und mit neuen Mitgliedern gab es zuweilen auch neue musikalische Akzente. Sehr deutlich wird das anno 2016 mit dem aktuellen Album „Lebenslänglich“.

Man kann Wolfgang Niedecken und seiner Arbeit als Künstler, seinem Engagement und seiner Haltung zu politischen und sozialen Themen nur hohe Anerkennung und Respekt zollen. BAP zählen seit Jahren zu den erfolgreichsten und immer noch sehr populären Bands in Deutschland. Alle Alben, die zwischen 1981 und 1990 veröffentlicht wurden, schafften es auf Platz 1 der Charts und auch in den vergangenen 25 Jahren rangierten Alben von BAP immer in den Top 3. Dass viele ausverkaufte, in früheren Jahren sehr ausführliche Konzerte und Tourneen auf dem Weg lagen, ist da fast schon folgerichtig.

„Lebenslänglich“ ist der Titel des neuen Albums, das so ganz anders klingt, als die Band BAP, wie sie die meisten derjenigen, die die Kölschrocker vor allem mit Früh-Achtziger-Alben wie „affjetaut“, „für usszeschnigge“ oder „vun drinne noh drusse“ kennen gelernt haben, assoziieren dürften.

Wo zur damaligen Zeit eine energiegeladene Rockband schweißtreibende Shows mit einem Sänger spielte, der mit viel Druck, Spaß und auch mal einer gewissen Wut in der Stimme agierte, sind Niedeckens BAP in der 2016er Besetzung und mit „Lebenslänglich“ eine vergleichsweise ruhige, entspannte Vereinigung von sechs Musikern und einer Musikerin, die auf hohem Niveau ihre musikalische Kunst ausübt.

Die Zeiten sind heute andere, Wolfgang Niedecken wird wahrscheinlich ein anderes Lebensgefühl umtreiben, als noch zu Zeiten von Friedensbewegung, Anti-Atomkraft, Nato-Doppelbeschluss, dem früheren Bundeskanzler Kohl und dem früheren US-Präsident Ronald Reagan.

„Lebenslänglich“ enthält mehr oder weniger melancholische, reflektierende Songs, oft auch behutsam akustisch instrumentiert, zwischen Liedermacher, Folk und dezentem Mid-Tempo-Rock. Es macht sich eine herbstliche Stimmung breit, es wird früher dunkel, häufiger nebelig und kalt.

Da lehnt man sich am warmen Kamin zurück und hört zu, wie der Sänger mit seiner markanten, seit Jahrzehnten vertrauten Stimme vieles Revue passieren lässt. Viel persönlich Erlebtes und Erfahrenes.

In der seit 2014 erneut neu formierten Band spielen unter anderem Gitarrist Ulrich Rode und die früheren musikalischen Gäste und heutigen festen Mitglieder Rhani Krija an den Percussion und die renommierte Multiinstrumentalistin Anne de Wolff. Neu am Schlagzeug ist Sönke Reich, der den Posten von Jürgen Zöller übernahm. Die neuen BAPler haben sich zum Teil auch stark im Songwriting engagiert, so dass sich das Ergebnis von früheren Songs und Platten entsprechend unterscheidet, zuweilen sehr deutlich.

Man kann unter Alt-Fans von BAP darüber lamentieren, was „Lebenslänglich“ noch mit den „von früher vertrauten“ BAP zu tun hat, warum das Ganze nicht als Wolfgang Niedecken & Band auf den Markt gekommen ist. Aber geschenkt. Es ist, wie es ist: Eine gelungene Platte für eher ruhigere, zurückgezogene Momente.


Andreas Haug
(6 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.bap.de

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