Gehört und Gesehen - The Best Of Fare Thee Well

27.11.2015Grateful Dead

Grateful Dead

The Best Of Fare Thee Well

Rhino Records/Warner Music Entertainment (2015, 2CD)

Die wahrlich legendäre Acid Rock/Westcoast-Rockband Grateful Dead fand sich am 3., 4. Und 5.Juli nochmals im Soldier Field Stadium zusammen, um 50 Jahre nach Bandgründung noch drei allerletzte Konzerte zu spielen. 20 Jahre nach dem Tod ihres Frontmanns Jerry Garcia und der eigentlichen Bandauflösung spielte die Band an drei Abenden genau in dem Venue, wo man seinerzeit das letzte Konzert mit Garcia gab. 200.000 Besucher waren zu den gleichzeitigen Jubiläums- und Abschieds-Shows anwesend. Ein „Best Of“ dieser drei Abende liegt in Form dieser Doppel-CD vor.

Hier geht es offensichtlich um Kult, das Wiederaufleben eines Lebensgefühls der Sechziger-, teilweise der Siebziger. Grateful Dead lieferten über Jahrzehnte den Soundtrack zur Entspannung, zum friedlich-zufriedenen im- Gras- liegen, in die Sonne zu blinzeln oder sich nebenbei bewusstseinserweiternde wie beruhigende Substanzen einzuverleiben, die größtenteils dem Betäubungsmittelgesetz unterliegen.

Grateful Dead spielten sich auch bei diesen letzten Konzerten im Juli in total relaxter easy-going-Manier durch ihr Programm, immer mit leichtem Hang zum Psychedelischen und zum gepflegten Jam. Locker, flockig aus dem Handgelenk geschüttelt.

Songs wie „Box Of Rain“ oder das über 15-minütige „Shakedown Street“ spielten die verbliebenen Grateful-Dead-Musiker um Mickey Hart, Bill Kreutzmann, Phil Lesh und Bob Weir mit Unterstützung von Gitarrist Trey Anastasio, Keyboarder Jeff Chimenti und dem auch als Solo-Künstler populären Pianisten Bruce Hornsby.

Frisch klingt das nicht mehr und manchmal tendenziell zu tiefenentspannt bis müde, was vor allem manchen Gesangsparts anzuhören ist. Man darf konstatieren, das hier wirklich eine alte Band mit alten Musikern am Werk ist, die an einigen Stellen in der musikalischen Umsetzung arg dahinschlurft, dann aber auch wieder so gut beieinander ist, dass es dem geneigten Hörer Spaß macht, das lässig rockige Treiben zu verfolgen. „Fire On The Mountain“ mag dafür ein Beispiel sein.

Auf CD 2 findet man ein mächtiges, beeindruckendes Schlagzeug- und Perkussion-Feature, das nahezu perfekt erscheint, Alt-oder Neu-Hippies für rund eine Viertelstunde auf eine Reise in ferne Dimensionen zu schicken. Ein Blick ins Booklet, in dem sich ein zweiseitiges Foto von dem riesigen Schlagwerk-Ensemble befindet, lässt erahnen, auf welcher Ebene sich hier der 15.35 Minuten lange Track 4 mit dem schlichten Titel „Drums“ bewegt. Ein künstlerisch-atmosphärischer Höhepunkt des Doppel-Live-Albums.

Ein Album, das nicht unbedingt ein Must-Have darstellt, für Fans und Interessierte an der Kultband und ihrer Musik, auch aus historischer Sicht durchaus hörenswert und eine stimmige Ergänzung in der Plattensammlung.


Andreas Haug
(7 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.dead.net

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