Gehört und Gesehen - Orexigenic Songs For An Overfed Audience

27.11.2015Ferdy Doernberg

Ferdy Doernberg

Orexigenic Songs For An Overfed Audience

Rebellion- Records/abc-roxxon (2015)

Ferdy Doernberg kennt man viel und vielfältig beschäftigten Sideman und Studiomusiker der internationalen Rockszene. Der Multiinstrumentalist und Produzent ist hauptsächlich als Keyboarder, Gitarrist und Slidegitarrist unterwegs, so tourt er unter anderem mit Matt Gonzo Roeher und Axel Rudi Pell. Da ist dann aber auch der Singer-/Songwriter, der Solo-Musiker Ferdy Doernberg, der von Zeit zu Zeit Solo-Alben aufnimmt, in diesem Fall mit einer ganzen Armada von Gastmusikerin und –musikerinnen.

„Orexigenic Songs For An Overfed Audience“ ist quantitativ sehr großzügig mit Musik bestückt. Das Material mit 19 Songs über mehr 76 Minuten Spieldauer hätte locker für zwei Alben reichen können, doch Ferdy Doernberg ist augenscheinlich nach dem Motto verfahren, „was raus muss, soll auch raus“.

Es ist schon bemerkenswert wie ein so vielbeschäftigter Musiker neben allen Touren und Studiojobs noch so viel Zeit und Kreativität aufbringt, ein solches Album zu produzieren. Über weite Strecken bewegt sich Doernberg im Singer-Songwriter-Folk, mal mit irischem Touch zum abendlichen Runterkommen und Feiern im Pub, dann wieder im amerikanischen Stil: Songs als Begleiter zum langen Weg nach Hause, irgendwo auf dem Highway, den Sonnuntergang vor Augen. Springsteens „Born To Run“ oder „Greetings From Asbury Park N.Y.C.“ auf Musikkassette im Player.

„Er sieht seine Heimat in der Musik und versteht sich selbst als „ewig Reisenden und Suchenden““ erklärt die Medieninfo und schaut man sich das Album als Gesamtprodukt mit Booklet und Musik an, dann wirkt „Orexigenic Songs For An Overfed Audience“ wie ein persönlicher musikalischer Roadmovie mit Ferdy Doernberg als Beobachter, der sein Umfeld und Ereignisse reflektiert und das auch schon mal ziemlich humorvoll.

Das groß angelegte Albumprojekt mit reichhaltigem Instrumentarium bringt viele Familienmitglieder, Freude und Wegbegleiter als musikalische Gäste zusammen, darunter Ecki Hüdepohl, Chris Laut, Matt Gonzo Roehr, Anke, Curt und Martin Doernberg, Mike Terrana, Mike Mandel, Alex Wenn, Marina Ludolph und Christof Stein-Schneider, um nur einige zu nennen.

Ohne Druck und Erwartungshaltung von Fans und geschäftlichem Umfeld hat Ferdy Doernberg einmal mehr munter drauflos komponiert und arrangiert, hier und da auch mal unkonventionell, was die Sache durchaus frisch und spannend macht.

Einen längeren Atem braucht man aufgrund der Songfülle und der Spieldauer dennoch. Ein paar Songs weniger hätten dem Album bestimmt auch nicht schlecht zu Gesicht gestanden. Einerseits wirkt es beeindruckend, so viele, zum Teil prominente musikalische Gäste auf einem Album zu vereinen, andererseits birgt das eine gewisse Gefahr, dass die Musik dann häufiger eher herüberkommt wie „im Studio, am Rechner und Pult zusammengestellt“ als von einer homogenen, gewachsenen Band zusammen eingespielt.


Andreas Haug
(6 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.ferdydoernberg.de

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