Gehört und Gesehen - Silence Of The Sirens

27.11.2015A  kew´s  tag

A kew´s tag

Silence Of The Sirens

magic mile music (2015)

Für Fans anspruchsvoller, vertrackter bis verschrobener Musikkunst hält die hannoversche Band A kew´s tag ihr neues Album „Silence Of The Sirens“ bereit. Mit ihrem akustischen Progressive-Rock ist die Band in der hiesigen Szene ziemlich einzigartig und virtuos obendrein. Inwieweit die mitunter sehr ausgefuchsten Kompositionen für jeden zu jederzeit verständlich und zuträglich sind, muss man beim Hören selbst herausfinden.

Immer wieder wird von neuen Bands gefordert anzuecken, eigene Wege abseits ausgetretener Pfade zu gehen, sich nicht anzupassen um nicht so oder so ähnlich zu klingen wie der populäre Act X, Y oder auch Z.

A kew´s tag haben dies mit „Silence Of The Sirens“ offensichtlich besonders beherzigt. Ihre acht Stücke, in der Spitze schon mal über zehn, respektive über 15 Minuten lang, haben so viele Ecken, Kanten und Reibungspunkte, dass man der Band eines nicht absprechen kann: Individualität.

Krumme Rhythmen, verschobene und verschrobene Grooves, mitunter sehr virtuoses Gitarrenspiel und ein emotional intensiver, latent melancholischer Gesang prägen dieses Album, das man –rein von der vorzüglichen Leistung der Musiker- fast schon als eine Kampfansage an die berühmt-berüchtigte Musikerpolizei verstehen kann.

Die Stücke sind intelligent wie trickreich komponiert und arrangiert und strotzen vor spannenden Momenten. Ein künstlerisch sehr geschmackvolles Coverartwork und ein ebensolches Booklet im Digi-Pack runden dieses Qualitätsprodukt ab.

Eigentlich alles wunderbar, könnte man meinen, wenn man die Zeit, Muse und Konzentrationsfähigkeit hat, sich auf die Band und dieses Album einzulassen. Aufgeschlossenheit ist gefragt sonst kann das Hören von „Silence Of The Sirens“ zu einem schwierigen bis gar anstrengenden Unterfangen werden.

Selbst für Musikfreunde, die an Progressive-Rock mit ungewöhnlichen bis exotischen instrumentalen wie rhythmischen Elementen und auch Eskapaden gewöhnt sind, ist diese Platte eine Herausforderung, die einen in die Knie zwingen kann.

Zu verkopft, zu technisch geht die Band zuweilen zu Werke, so, als wolle jeder Musiker fast die ganze Bandbreite seines extraordinären Könnens präsentieren. Viele Akkorde, viel Moll, Jazziges, viele schräge Rhythmen und Breaks überschütten an manchen Stellen die eigentliche Songkomposition. Vor lauter euphorischem Gefrickel verlieren A kew´s tag schonmal eines aus den Augen: Einen stimmigen Song in Szene zu setzen, der auf den Punkt kommt.

Vielleicht ist das aber auch gar nicht da Ziel, sondern vielmehr, sich abseits gewöhnlicher Strukturen vollends auszutoben. Auch das ist Kunst, auch wenn es schwierig ist, sie zu verstehen. Ein mutiges Album.


Andreas Haug
(6 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.akewstag.com
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