Gehört und Gesehen - Stitch Puppy

04.09.2015Joey Cape

Joey Cape

Stitch Puppy

Fat Wreck Chords (2015)

Fünf Jahre nach seinem letzten Soloalbum meldet sich Joey Cape stärker denn je mit seinem neuesten Werk „Stitch Puppy“ zurück. Irgendwo zwischen Melancholie und Verzweiflung findet der Lagwagon-Frontmann immer wieder zurück zur Hoffnung und nimmt den Hörer auf diesen Weg mit.

Diese düstere Stimmung verbreitete Cape auch 2014 mit seiner Band Lagwagon, als er das langersehnte Album „Hang“ veröffentlichte, die als Teil der „Live Fast, Die Youg“-Generation zu den Punk-Veteranen gehört – immerhin gibt es die Band bereits seit 25 Jahren und Joey Cape geht auch im Schnellschritt auf die 50 zu.

Die Puppe, um die es sich dreht, wurde von Joey Capes Tochter Violet hergestellt und hat damit natürlich einen hohen Stellenwert: Nach seiner Familie und den Tieren wäre sie das Erste, was gerettet werden würde, wenn das Haus in Flammen steht, so Cape. Denn diese Puppe ist nicht einfach nur ein Spielzeug, sondern repräsentiert Reinheit, Verlust und die Stärke, die daraus resultiert.

Und diese musste Joey Cape in den letzten Jahren des Öfteren beweisen, wie beispielsweise vor drei Jahren, als sein enger Freund und No Use For A Name-Frontmann Tony Sly unerwartet verstarb. So widmet er sich beispielsweise im Song „This Life Is Strange“ eben dieser Vergänglichkeit des Lebens: „Bad monkey want to be strangest in the zoo. Sick song and dance then bid adieu. And we still miss you. This life is strange. It fades away. The monkey´s gone to heaven.“

„I´m coming home to life unknown. Without the records or the milestones“ - auch das ist ein Thema, das einen Joey Cape natürlich beschäftigt: Die Hochzeit des Punkrock ist vorbei, die Leichtigkeit einer vergangenen Ära, als diese Musik noch richtig groß und ein Lebensgefühl einer ganzen Generation war – eine Ära, zu der auch Joey Cape und seine Band Lagwagon gehört. Nun hat er Frau und Kind, geht auf die 50 zu und muss natürlich schauen, wie er seine Familie und sich versorgt.

Musikalisch steht auf „Stitch Puppy“ natürlich erneut Joey Capes ausdrucksstarke Stimme und seine Akustik-Gitarre im Vordergrund. Unterstrichen von streichenden Geigen, Klavierklängen und Schellenkranz passt hier einfach alles – besser könnte Capes Message nicht untermalt werden.

Sowohl lyrisch als auch musikalisch wird der Weg von der Verzweiflung hin zur Hoffnung deutlich, Joey Cape zeichnet den Weg aus dem Dunkel hin zum Schimmer am Horizont, den jeder, der in diesem Sog der Verzweiflung gefangen ist, so sehnlichst sucht. „Stitch Puppy“ ist ein großartiges Album eines großartigen Künstlers, der unumstritten immer noch zu den ganz Großen in der Punkrockszene gehört.


Hanna Rühaak
(9 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.joeycape.com
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