Gehört und Gesehen - Progeny: Highlights Form Seventy-Two

15.05.2015Yes

Yes

Progeny: Highlights Form Seventy-Two

Atlantic/Rhino/Warner (2015, 2CD)

Es wurden wieder einmal alte Tonbänder in irgendwelchen Kartons in Kellern, auf Dachböden oder sonstigen Lager-Arealen aufgefunden. Dieses Mal sind es Tonbänder mit Musik von der Progressive-/Art-Rock-Band Yes. Darauf enthalten: Mitschnitte von insgesamt sieben Yes-Konzerten aus dem Herbst 1972. Die frühen Siebziger gelten bei vielen als die stärkste und kreativste Phase der besonders wegweisenden Progressive-Rock-Band. Da scheint es interessant, dass eine Auswahl aus den Tonbändern nun als Doppel-CD-Album auf den Markt kommt.

Im Oktober und November 1972 tourten Yes durch die USA. Ihr Live-Set bestand damals überwiegend aus den Titeln ihrer drei bis zu diesem Zeitpunkt erschienenen Progressive-Alben „The Yes Album“, „Fragile“ und „Closer To The Edge“.

Das Tonbandmaterial, das nach über 40 Jahren in einem eher schlechten Zustand war, wurde dann in mühevoller und langwieriger Arbeit restauriert und somit kann sich „Progeny: Highlights From Seventy –Two“ gut hören lassen. Warmer Sound, handgemachte Musik mit alten Orgel-und Röhren-Gitarrensounds, das Ganze dann in einem für die damalige Zeit vertrautem, klar getrenntem, transparentem Stereo-Panorama.

Yes haben sich künstlerisch komplex und vielseitig gezeigt, es war die Zeit, in der Songs auch deutlich länger als 10 Minuten sein durften. Bekannte Songs, respektive dramaturgisch vielschichtige Musikwerke von Yes waren um 1972 unter anderem „And You And I“, „Close To The Edge“, „Roundabout“ oder „Yours Is Not Disgrace“.

Diese Songs wurden später zu ewigen Klassikern der Band und sind auch auf dieser Doppel-Live-CD, sehr ansprechend umgesetzt, enthalten. Bemerkenswert seinerzeit war, dass Keyboarder Rick Wakeman noch relativ frisch in der Band war und Drummer Alan White so kurzfristig Gründungsmitglied Bill Bruford am Schlagzeug ablöste, dass er nur drei Tage zur Verfügung hatte, das Live-Set von Yes für jene Tour zu proben.

Ansonsten spielten Yes damals im Kern in der prominenten Besetzung Jon Anderson (Gesang), Chris Squire (Bass + Gesang) und Steve Howe (Gitarre).

„Progeny – Highlights From Seventy-Two“ bildet eine wichtige Ära der Prog-Rock-Urväter ab und bietet Musikfans, die nicht so reich an Alben von Yes sind, einen sehr guten, vor allem kompakten Einstieg und Einblick. Fans von Yes, die bereits genannte Studioalben ihr Eigen nennen, werden mit diesen Live-Aufnahmen dagegen kaum neue Erkenntnisse über die Musik der Briten gewinnen.

An die überdurchschnittliche Qualität und Dynamik der Studioaufnahmen von Songs wie etwa „Roundabout“ auf dem Album „Fragile“, kommen diese Konzertmitschnitte nicht ganz heran.

„Progeny: Highlights From Sevenety-Two“ ist ein gelungenes, lohnenswertes Live-Album, aber nicht unbedingt ein Muss.


Andreas Haug
(7 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.yesworld.com
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