Gehört und Gesehen - Live +

15.05.2015Jeff Beck

Jeff Beck

Live +

Atco Records / Warner (2015, CD)

Ein Live-Album von einem der sicher wichtigsten und einflussreichsten Gitarristen der Rockgeschichte. Was kann man sich darunter vorstellen, wenn Jeff Beck ein Live-Album veröffentlicht? Blues, Rock, Jazz, Fusion, Hardrock? Wahrscheinlich von jedem etwas und so ist es dann auch. Klassiker aus fast 50 Jahren, Cover von Künstlern wie Stevie Wonder, Jimi Hendrix oder Sam Cooke und zwei neue Songs, wahrscheinlich als Appetitanreger für das kommende Studioalbum.

Als Jeff Beck mit seiner Band um Sänger Jimmy Hall, Bassistin Rhonda Smith, Drummer Jonathan Joseph und Gitarrist Nicolas Meier im letzten Jahr gemeinsam mit der Band ZZ Top in den USA tourte, wurden zahlreiche Shows für dieses Live-Album mitgeschnitten und bilden die Basis für „Live +“.

14 Songs, die einen Querschnitt durch die langjährige Karriere von Jeff Beck zeigen. Neben Eigenkompositionen sind auch die Interpretationen von Klassikern anderer Künstler wie „Superstition“ von Stevie Wonder oder „A Change Is Gonna Come“ von Sam Cooke auf dem Album verewigt, obendrauf gibt es noch zwei Songs aus dem neuen Studioalbum, das noch in diesem Jahr erscheinen soll.

Das wirkt ein klein bisschen so, als müsse mit einer Veröffentlichung noch Zeit überbrückt werden und dazu dient wohl dieses Album „Live +“. Eine Live-Platte die einem zweischneidigem Schwert gleicht: Einerseits ist da die virtuose und musikalisch hochkarätig aufgestellte Gitarristenlegende mit einer sehr gut eingespielten Band, die überzeugt, andererseits hat das meiste auf diesem Album einen Bart und wirkt aufgewärmt mindestens aber sehr abgehangen.

Blues-Rock, Hardrock-Riffs-und trickreicher Fusion-Jam in fettem Soundgewand – das wirkt beeindruckend, wenn man das als junger Musikbegeisterter und auch junger aktiver Musiker hört. Mit einiger Hörerfahrung wirkt das Material hier nicht besonders originell. Es ist über weite Strecken gut , man kann sich jedoch des Eindrucks nicht erwehren, dass man ähnliches schon viele Male in früheren Jahrzehnten gehört hat, auch von anderen Formationen mit anderen begnadeten Gitarristen und Bands.

Jeff Beck´s bissiger Gitarrensound und sein unglaublich gefühlvolles Spiel in allen Ehren, aber neue Akzente und Reize auch bei einer reiferen Hörerschaft zu setzen, wäre wohl eine gute Idee und das dürfte nur über modernere Songwriting-Strukturen und Arrangements und ein neues Album funktionieren, das ja auch in diesem Jahr noch veröffentlicht werden soll. Denn wer braucht ernsthaft noch die x-te Coverversion von Jimi Hendrix´“Little Wing“ im Live-Kontext? Zumal hier auch nur mittelmäßig gelungen.


Andreas Haug
(5 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.jeffbeck.com
© Copyright: Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Weitere Infos + Nutzungsbedingungen im Impressum
Zur Übersicht Zur Startseite