Gehört und Gesehen - Mauerfall - das legendäre Konzert für Berlin ´89

31.10.2014Diverse Künstler

Diverse Künstler

Mauerfall - das legendäre Konzert für Berlin ´89

Deutsche Grammophon (2014, CD)

Unmittelbar nach dem Fall der Berliner Mauer am 9.November 1989 wurde in der Berliner Deutschlandhalle eilig ein Gratis-Großkonzert auf die Beine gestellt, das nur drei Tage später über die Bühne ging. Im Verlauf des elfstündigen Konzerts, dem insgesamt rund 50.000 Menschen beigewohnt haben, traten Bands und Künstler wie BAP, Udo Lindenberg, Silly, Joe Cocker, Pankow, Melissa Etheridge, Die Zöllner, Nina Hagen oder Heinz Rudolf Kunze auf. Kürzlich wurden in Radio-Archiven Aufnahmen gefunden die für die vorliegende CD Verwendung fanden. Konnte das Konzert Zehntausende mitreißen, ist diese CD mit Ausschnitten eher enttäuschend.

Als sich am Abend des 9.November 1989 die Grenzen zwischen der damaligen DDR und der Bundesrepublik öffneten und in Berlin Tausende auf den Straße waren und euphorisch feierten, war das ein historischer Moment, der oft als „Mauerfall“ bezeichnet wird.

Gleich am nächsten Morgen saß man beim damals noch existierenden Sender Freies Berlin (SFB) zusammen und hatte die Idee, möglichst kurzfristig ein Gratis-Konzert in Berlin auf die Beine zu stellen, auch als eine Art Willkommensgruß für die Bürger der DDR. Bands und Einzelkünstler aus Ost-und Westdeutschland sollten hier auftreten und auch Stars aus der internationalen Musikszene.

Drei Tage später, am Sonntag, den 12.November war es dann soweit. Zahlreiche Bands und Künstler standen auf der Bühne der prall gefüllten Berliner Deutschlandhalle. Insgesamt sollen im Verlauf des elfstündigen Konzerts 50.000 Menschen in und vor der Halle diesem inzwischen als legendär geltenden Musikereignis beigewohnt haben. Der SFB übertrug im Radio, einige andere Sender klinkten sich ein.

Audiomaterial in Radio-Archiven gefunden und ausgewertet

Das Audiomaterial ist kürzlich in den Archiven wiederentdeckt worden und pünktlich zum 25-jährigen-Jubiläum des Falls der Berliner Mauer wurde eine Album-CD mit den „Highlights des historischen Konzerts“, wie es die Macher nennen, zusammengestellt.

Joe Cocker mit „With A Little Help From My Friends“, BAP mit „Verdamp lang her“, Udo Lindenberg mit verschiedenen Titeln wie „Horizont“, einer aktuell halb improvisierten Jam-Darbietung von „Sonderzug nach Pankow“, aus dem hier der „Sonderzug aus Pankow“ wurde, sind auf der CD genauso vertreten wie Heinz Rudolf Kunze mit „Die offene See“, Nina Hagen mit „My Way“ oder Konstantin Wecker mit „Die weiße Rose“.

Aus der damaligen DDR traten Bands wie Silly mit „Alles wird besser“, Pankow mit „Gib mir ein Zeichen“, Pannach und Kunert mit „Der Tag an dem die Mauer fiel“ oder Die Zöllner mit „Hör mich“ auf. Ein Höhepunkt auf dieser CD ist der Beitrag von Melissa Etheridge, die unter anderem ihren Song „Testify“ vortrug.

Der damals noch junge Moderator Steffen Simon, heute Sportchef der ARD und vor allem bei Fußballübertragungen im TV zu hören, führte in der Berliner Deutschlandhalle durch das Programm.

Es war ein Tag und ein Abend voller Emotionen, im Publikum und auf der Bühne. Die Bands spielten kurze Sets, mischten und erweiterten zum Teil die Besetzungen, so dass sich eine Art Jam-Session-Gemeinschaftsgefühl entwickelte, was in den Achtzigern auch bei Projekten wie den Live-Aid-Songs-und Konzerten und überhaupt angesagt war und gut beim Publikum ankam.

Chancen verpasst

Vieles war improvisiert und auf den top-aktuellen Anlass abgestimmt, so ist Udo Lindenberg auf den hier auf CD präsentierten Ausschnitten seines Auftritts fast mehr mit Redebeiträgen denn mit Musik zu hören. Der Song „Mädchen aus Ost-Berlin“ wird nur kurz angespielt, bei „Horizont“ dienen BAP als Backing-Band und über den „Sonderzug“ war schon weiter oben zu lesen.

Das Material hätte wohl viele Chancen eröffnet, dieses Konzertereignis attraktiv nachzuzeichnen. Diese Chancen wurden aber mit dieser Album-Veröffentlichung weitestgehend verpasst. Ähnlich schnell und mit der heißen Nadel gestrickt, wie das Konzert selbst organisiert wurde, wirkt diese CD-Zusammenstellung.

Ein paar prominente Namen, ein bisschen West, ein bisschen Ost, ein bisschen international und eben mal ein paar Songs und Redebeiträge zusammengeklatscht, das war es dann schon. Diese –pardon- schon flüchtig und fast lieblos zusammengeworfene Tracklist vermittelt in dieser Form keine Dramaturgie, ein roter Faden fehlt überdies. Hier wäre in der Aufbereitung und Zusammenstellung deutlich mehr drin gewesen.

Manche Songs und Sounds sind inzwischen auch angestaubt und einige dürften sich die zum Teil auch mäßig gespielten Beiträge auch überhört haben.

„Mauerfall – Das legendäre Konzert für Berlin ´89“ dürfte höchstens für Fans, die seinerzeit in Berlin vor Ort waren, einen netten Erinnerungsschnappschuss darstellen, darüber hinaus ist dieses Produkt eher enttäuschend, wenn nicht gar verzichtbar.


Andreas Haug
(3 / 10 Pkt.)

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