Gehört und Gesehen - In Schwarz

17.10.2014Kraftklub

Kraftklub

In Schwarz

Vertigo/Universal Music (2014, CD)

Da ist er endlich, Kraftklubs Nachfolger zum Debütalbum „Mit K“. Zugegeben, in „In Schwarz“ muss man sich intensiver reinhören, als noch damals in „Mit K“ (das sich übrigens ein Jahr in den Albumcharts hielt) und Album Nr. 2 zeigt auch einige kleinere Schwächen auf. Trotzdem verlieren Kraftklub – trotz nahezu penetranter Promotion-Kampagnen – nicht an Charme und noch weniger an Charisma.

Auf „In Schwarz“ wird eines klar: Auch wenn Kraftklub sich noch gerne als „Anti-Szene-Kids“ zeigen, sind die Songs auf große Locations ausgelegt, mit Refrains, die zum Mitgröhlen einladen: schlicht und eingängig, aber dennoch mitreißend; die Texte handeln von Alltagsthemen – sei es über ein geklautes Fahrrad, das Spielraum für Metpahern lässt, feucht-fröhliche Partynächte oder das Leben als Promi – und dazu zählen Kraftklub mittlerweile. Denn Fakt ist, dass Kraftklub Berufsmusiker sind und das sehr erfolgreich.

Im Opener „Unsere Fans“ versuchen Kraftklub gleich zu Beginn der Platte möglichen Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen, indem sie sich über den „Mainstream“-Vorwurf lustig machen – aus Sicht der Band auf die Fans. „Unsere Fans haben sich verändert, unsere Fans haben sich verkauft“ singt Frontmann Felix Brummer und tatsächlich können sich Kraftklub von diesem Vorwurf wohl nicht ganz frei machen. Andererseits: Wieso sollte man einer Band vorwerfen, mit ihrer Musik nicht nur erfolgreich zu sein, sondern auch ihren Lebensunterhalt zu verdienen? Und heißt nicht genau das, dass man automatisch Mainstream wird? Auch wenn der Begriff negativ belastet ist, ist es nicht unbedingt schlecht, Mainstream zu sein. Jedenfalls so lange man die eigene Note nicht verliert. So kann man die neue Platte aus zwei Blickwinkeln betrachten: Zum einen als eine Platte, die den Erfolg möglichst noch vergrößern soll, zum anderen als eine Platte einer Band, die sich nicht verlieren will.

Trotzdem muss auch festgehalten werden, dass „Mit K“ vor allem lyrisch frischer daherkam als jetzt „In Schwarz“. Songs wie „Mein Rad“ sind für Kraftklub-Verhältnisse recht schwach auf der Brust und wirken eher wie Lückenfüller – auch wenn die Band eben das dementiert. Dagegen stehen aber auch wieder sehr starke Songs, wie beispielsweise „Alles wegen Dir“, „Unsere Fans“ oder „Schöner Tag“ - nicht zuletzt weil Casper als Gastmusiker agiert. In ihren Songs lassen sie sich nicht nur von Metalklängen inspirieren, sondern teilweise auch von Glam-Rock.

Ja, die Erwartungshaltung an „In Schwarz“ war enorm – nicht zuletzt aufgrund der großen Promotion-Kampagnen, die für dieses neue Werk aufgefahren wurden. Die die ganze Sache allerdings beinahe überbewerteten und dadurch ein fader Beigeschmack bleibt. Kraftklub ist eine sympathische und sehr starke Band, das steht außer Frage. 2012 waren die Chemnitzer innovativ, kreativ und vor allem provokativ, als sie ganz klar Position gegen die damaligen Trends wie etwa Hipster, Club Mate und Berlin bezogen und uniformiert in weißen Polohemden, Baseballjacken und Hosenträgern auf der Bildfläche erschienen.

Auf „In Schwarz“ wirkt das alles teilweise eher lauwarm aufgewärmt, besungen werden Trends, deren Zeit nun wieder vorbei ist, wie beispielsweise in dem „Forever Alone“-Song „Für immer“. Anstatt große Kampagnen zu fahren, hätte die Konzentration lieber auf die frühere Albumveröffentlichung gelegt werden sollen. So hinkt das Album hinterher, „In K“ traf damals dagegen genau den Nerv der Zeit.

Doch schaut man genauer hin, scheinen Kraftklub auch hingegen aller Vorwürfe auf dem Boden geblieben zu sein: In „Zwei Dosen Sprite“ rechnen sie mit der Promi-Szene ab. „Irgendwie habe ich gedacht, dass es uns hier gefällt, irgendwie habe ich mir das hier anders vorgestellt, irgendwie passen wir nicht rein in diese Welt“ heißt es hier, mit Zeilen wie „der rote Teppich ist dreckig, voller Kotze und Bier“ wird schnell klar, dass die vermeintlich glitzernde Welt weit weniger glamourös ist, als man denkt.

Schwierig, das mit dem neuen Kraftklub-Album. Sie wollen immer noch ihre Anti-Position vertreten, doch dies kam auf ihrem Debüt etwas authentischer rüber. Trotzdem würzen Kraftklub ihre Texte weiterhin mit einer ordentlichen Portion Ironie, bleiben sich musikalisch treu. Vielleicht sollten sie sich weniger darauf konzentrieren, Kritikern die Stirn zu bieten, sondern einfach weiter ihr Ding durchziehen – denn sich für irgendetwas zu rechtfertigen haben sie eigentlich gar nicht nötig.


Hanna Rühaak
(7 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.kraftklub.to
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