Gehört und Gesehen - Das Märchen vom gezogenen Stecker

29.08.2014Niedeckens BAP

Niedeckens BAP

Das Märchen vom gezogenen Stecker

Vertigo/Universal Music (2014, 2CD)

Akustik-Projekte und Akustik-Live-Alben von Bands, die man für gewöhnlich vollverstärkt rockend kennt, wirken teilweise wie Verlegenheits-oder Übergangslösungen und munden nicht selten wie ein Seniorenteller. Bekömmlich und nicht belastend. Im Fall von Niedeckens BAP und der Doppel-Live-CD „Das Märchen vom gezogenen Stecker“ verhalten sich die Dinge jedoch komplett anders. Diese Akustik-Präsentation ist vielmehr ein künstlerisch eigenständiges Konzept, das Wolfgang Niedecken und seiner Band sehr gut zu Gesicht steht.

30 Songs, 150 Minuten Spieldauer, feinste Akustik-Arrangements in intensiver Atmosphäre und dabei kein oberflächliches Gassenhauer-Hitfeuerwerk mit Westerngitarren, Besenschlagzeug oder Cajon.

Viele Songs auf dem Live-Album stammen von Niedeckens jüngst veröffentlichter Solo-CD „Zosamme Alt“, einige ältere und nicht ganz so bekannte BAP-Songs, mitunter sogar vom Debüt aus den späten Siebzigern, sind enthalten und Klassiker wie „Anna“, „Jupp“, „Kristallnach“ oder „Do kanns zaubre“ bekommen durch die geschickt und sensibel gestalteten Akustik-Arrangements einen ganz neuen Glanz.

Dazu passt die auf Grund des Lebensalters Niedeckens gereifte, tiefere Stimme ganz ausgezeichnet. Als musikalische Gäste wirken unter anderem der marokkanische Perkussionist Rhani Krija und die in Deutschland von vielen Kollaborationen bekannte und renommierte Musikerin Anne de Wolf an Geige und Bratsche mit.

Beide verleihen Niedeckens BAP in akustischer Version noch eine ganz besondere Note. Wenn Anne de Wolf zum Schlusssolo von „Do kanns zaubre“ ansetzt und dort im zweiten Teil die markanten Licks anklingen lässt, die vor rund 32 Jahren der frühere, langjährige BAP-Gitarrist Klaus „Major“ Heuser aus seiner Les Paul entlockte, dann ist auf dieser Platte ganz großes Kino.

Nicht ganz so stark, weil doch ein wenig in Schunkelmanier gespielt, ist dagegen der BAP-Evergreen „Verdamp lang her“.

„Das Märchen vom gezogenen Stecker“, ist insgesamt ein überraschendes, ein großartiges Akustik-Live-Album das die Musik von Niedeckens BAP fast besser transportiert als in jüngerer Vergangenheit vollverstärkt im Rockkonzert.


Andreas Haug
(9 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.bap.de

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