Gehört und Gesehen - Pay Your Price

29.08.2014Löhr

Löhr

Pay Your Price

It´s M.E. Music (2014, CD)

Werner Löhr hat sich rund 50 Jahre Zeit gelassen, ein Solo-Album aufzunehmen. Das dürfte fast weltweit rekordverdächtig sein. So lange ist der Musiker als Schlagzeuger in der hannoverschen Musikszene aktiv, spielte und spielt in unterschiedlichen Bands und zählt zu den erfahrensten Musiker- Urgesteinen in Hannover. Das Werner Löhr seit längerem eigene Songs schreibt, Gitarre spielt und singt, wussten meist nur Insider. Das könnte sich jetzt ändern, denn mit „Pay Your Price“ legt Löhr ein Singer-/Songwriter-Album im Americana-Gewand vor.

Zur Umsetzung konnte Löhr auf seinen langjährigen Bandkumpel, den Pianisten und Keyboarder Ecki Hüdepohl bauen, der nicht nur für die Aufnahmen und den Mix verantwortlich zeichnet, sondern auch gemeinsam mit Löhr einige Songs schrieb oder eigenes Material beisteuerte.

Die Produktions-Handschrift und teilweise auch der künstlerische Einfluss von Hüdepohl werden auch bei „Pay Your Price“ sehr deutlich. In ähnlicher Richtung klingen ist auch schon manches Album von It´s M.E. in die Spur gebracht worden. Das bedeutet: Klare, transparente, feinfühlig abgestimmte Arrangements und Aufnahmen ohne spürbare Effekthascherei. Es schien den beiden darum zu gehen, die Songs pur auf CD zu bannen.

Musikfreunde die es bei Singer-/Songwriter-Platten amerikanischer Ausrichtung, die sich im Umfeld Rock, Blues, Folk oder Country bewegen, gern rauer, kantiger und auch mal härter mögen, werden sich an den wohltemperierten, eher sanften Gesamteindruck gewöhnen müssen.

„Pay Your Price“ ist ein ausgewogenes und vielfältiges Album, mit einer, von Ausnahmen abgesehen, stimmigen Songauswahl geworden. Ein jazziger Titel wie „Lonely Days“ oder ein an selige Kneipen-Abende erinnernder Blues ´n´Boogie-Song wie „Jack Of Diamonds“ unterstreichen einerseits eine gewisse Vielfältigkeit, brechen aber auch aus dem balladesken Gesamtkontext aus.

Ein waschechtes Solo-Album ist „Pay Your Price“ dann auch nicht geworden, neben Ecki Hüdepohl hat auch an einigen Songs Christian „Chrille“ Schulz, ein ebenfalls profilierter Musiker der Hannover-Szene, als Komponist mitgewirkt. Für einige Lapsteel-und Pedalsteel-Gitarren- Einspielungen sicherte man sich die Dienste von Martin Huch. Da kann dann eigentlich nichts mehr schiefgehen.

Aufgelockert wird die 13 Songs umfassende Album-Tracklist mit Interpretation von Springsteen´s „The Wrestler“, „Catch The Wind“ von Donovan und „Billy 4“ von Bob Dylan. Auch das ist gelungen und der etatmäßige Schlagzeuger Löhr erweist sich als solider Sänger, der vielleicht bei einem weiteren Album in puncto Kraft und Ausdruck gern nochmal eine Schippe drauflegen kann. Es geht immer noch mehr. Auch nach 50 Jahren.


Andreas Haug
(6 / 10 Pkt.)

Mehr:
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