Gehört und Gesehen - Songs From November

15.08.2014Neal Morse

Neal Morse

Songs From November

Insideout Records (2014)

Neal Morse, dem schon der Titel „Progmeister“ anhaftet, hat mit „Songs From November“ ein Album abseits des Progressive-Rock veröffentlicht. Statt zuweilen episch und mächtig instrumentierter Titel, gibt es auf dieser Platte elf überwiegend entspannt-gefühlvolle und intime Songs, die einfach strukturiert sind und meist mit Spielzeiten um die vier, fünf Minuten auskommen.

Ein ähnliches Album hatte der ehemalige Mastermind von Spock´s Beard und aktuelle Mit-Motor von Bands wie Transatlantic oder Flying Colors bereits im Jahr 2001 veröffentlicht. „It´s Not Too Late“ hieß diese Platte seinerzeit.

Im vergangenen November wären Ideen und Songs nur so aus ihm herausgesprudelt, erklärt der Sänger, Multiinstrumentalist und Songschreiber und so lag der Titel „Songs From November“ nahe.

In eine herbstliche Stimmung versetzt diesen Album den Hörer dennoch nicht. Es fühlt sich überwiegend sommerlich an. Neben einer Spur groovigem Soul wie im Opener „Whatever Day“ oder der zum Ende hin kraftvollen Ballade „Heaven Smiled“ dominieren Stücke im amerikanischen laid-back Singer-/Songwriter Stil. Man mag sich bei ruhigeren Songs, die fein mit einer Pedal-Steel-Guitar oder mit Streichern unterlegt sind, auch schon mal an Größen und Kollegen wie Jackson Browne oder The Eagles erinnert fühlen. Einziger Uptempo-Song ist das folk-poppig-tanzbare „Song For The Free“.

Neal Morse hatte schon immer ein besonderes Händchen für feine Melodien, das er auch auf dieser Platte einsetzt. Der absolute Kracher-Song, mit dem Sofort-Ohrwurm-Refrain, springt einem zwar nicht entgegen und beim ersten Hören kann man glauben, es fehle dem Künstler aktuell ein wenig an Drive und Spritzigkeit, aber das Lebensgefühl des Musikers scheint aktuell eher ruhig, entspannt und aufgeräumt zu sein. Mal ein wenig runterkommen, einen Gang zurückschalten und sich an schönen Dingen erfreuen – das vermittelt „Songs From November“ im Schwerpunkt.

Es gibt Musik, bei der jedem in bestimmten Momenten das Herz aufgeht, Musik die eine gewisse warme und positive Ausstrahlung besitzt, bei der man sich gern zurücklehnt und auf jedwede Ablenkungen wie paralleles Surfen im Internet oder Kommunikationen bewusst verzichtet. Auf dem neuen Neal-Morse-Album ist so mancher Song dieser Richtung enthalten.

Leichtere Kost, nicht trivial oder kitschig, stattdessen über weite Strecken unaufdringlich und einfach schön.


Andreas Haug
(8 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.nealmorse.com

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