Gehört und Gesehen - Serum 2.0

11.07.2014Osssy

Osssy

Serum 2.0

Yellow Snake Records (2014, CD)

Ossy Pfeiffer legt in diesem Jahr mit „Serum 2.0“ sein zweites Solo-Album vor. Dabei trifft es „Solo-Album“ eigentlich gar nicht so exakt auf den Punkt, die Platte mit den zwölf neuen Songs ist vielmehr das Produkt einer inzwischen gewachsenen Band.

Mit Gitarristin und Sängerin Anca Graterol, Gitarrist Steve Mann, Bassist Lars Lehmann, Schlagzeuger Kristof Hinz, Perkussionist Momme Boe und eben Sänger und Multiinstrumentalist Ossy Pfeiffer ist hier eine Band aus hervorragenden Akteuren am Start, die mitunter weit über die Hannover-Szene hinaus auf manigfache Referenzen als Studio-oder Tourmusiker verweisen können.

„Serum 2.0“ ist eine Rock-Platte geworden, die durch Kraft, Wucht, Härte und Gefühl geprägt ist. Die Band besinnt sich auf klassische Rocktraditionen und schöpft ihre Inspirationen hörbar aus der Zeit von den frühen Siebzigern bis etwa Anfang der Neunziger.

Es mögen Bands, Songstrukturen und Sounds sein, die in der angeführten Zeitspanne up-to-date waren und die Osssy & Co. früher möglicherweise selbst gern gehört haben, die sich an allen Ecken und Enden des Albums mehr oder wenig deutlich wiederfinden. Zu den Referenzen zählen unter anderem Toto, Queen, Chicago oder auch Paul Rodgers zu seiner Zeit mit Free oder Bad Company.

Im Geist dieser und anderer Größen hat die Band die Songs auf „Serum 2.0“ geschrieben und in Szene gesetzt. Es gibt saftigen, dick aufgetragenen Gitarren-Rock, Soul-Rock-Balladen, Melodic-Rock mit markanten Keyboards, schwer rollenden, groovigen Blues-Rock oder auch knackigen Folk-Rock mit Akustik-Gitarren. Das Album hat einerseits eine sehr klare Linie, bietet aber eben auch Abwechslung oder heftige Überraschungen, wie das beinahe exzessiv gestaltete „Atom Monster King“, das man schon als puren Heavy Metal bezeichnen kann -oder- gerate man in Versuchung bei diesem Stück eine neue Stilrichtung zu erfinden, dann könnte diese mit Godzilla-Rock umschrieben werden.

Hier werden schon unverschämt harte und breite Gitarrenwände zu einer hohen, dicken Mauer aufgerichtet, die zeitweise über dem Hörer zusammenzustürzen droht. Ein beeindruckender Song. Salopp ausgedrückt ist das nicht „fett“, das ist so „mega-fett“, als näherte sich da in japanischen Gewässern beheimatete Urzeit-Echsen-Monster zur finalen Zerstörung irgendeiner Metropole, in der die Menschen möglicherweise bis dato netten Pop-Liedchen oder Elektronik-Geträller gelauscht haben.

„Serum 2.0“ ist eine zupackende, zuweilen kratzende und beißende Rockplatte geworden, die inhaltlich und von der mit ordentlich Hall und Wumms in Szene gesetzten Produktion sicher nicht sehr zeitgemäß sondern eher retro wirkt, aber die „gute alte“ handgemachte Rockmusik findet heutzutage ja wieder verstärkt Fans.

Bands und Einzelkünstler, die seit den späten Neunzigern und frühen 2000ern verstärkt in den Fokus des Rockbusiness gerückt sind, pflegen in ihrem Songwriting in ähnlicher Art und Weise Traditionen, wie etwa Neal Morse, Transatlantic oder jüngst Flying Colours – und haben damit Erfolg.


Andreas Haug
(8 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.osssy.com

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