Gehört und Gesehen - Herz.Rhythmus.Störung

04.04.2014Therapiezentrum

Therapiezentrum

Herz.Rhythmus.Störung

Timezone Distribution (2014, CD)

Therapiezentrum – bei diesem alles andere als gewöhnlichem Bandnamen horcht man zunächst einmal auf: Was ist das? Was machen die wohl für Musik? Irgendwas in Richtung derbem Punk oder sonstwas gegen den Strich Gebürstetes?

Keinesfalls.Das Quartett aus Osnabrück spielt Rock-Pop mit deutschen Texten. Sängerin, Gitarrist, Bassist und Schlagzeuger. Was sich von der Papierform zunächst als sehr gewöhnlich vermitteln mag, ist vom musikalischen Ergebnis dann aber doch individuell und teilweise auch speziell.

Anders als andere junge Bands des Genres, die meist zunächst einmal mit großen Namen wie Silbermond oder den anderen üblichen Verdächtigen des deutschen Musikzirkus verglichen werden, gehen Therapiezentrum auf ihrem zweiten Album ihren eigenen Weg und setzen sich zur Rast auch gern mal zwischen die Stühle.

Kerniger, grooviger Rock wie bei „Duell“ dürfte auch Fans von Peter Maffay oder Westernhagen begeistern, ein Song, der auf „Herz.Rhythmus.Störung“ innerhalb der elf Songs ebenso einen Kontrapunkt setzt wie „Ein Jahr geht zu Ende“, wo die Band deutlich mit tanzbaren Discobeats-und von der Melodieführung mit Schlager-Pop liebäugelt.

Nach dem bei anderen Bands oft angeführtem „Indie-Appeal“ klingt auf dieser Platte nichts, obwohl die Band um Sängerin Gianna, Bassist Flo, Gitarrist Matze und Drummer Toby dieses Album in Indie-Manier produziert und auf den Weg gebracht hat. Bei Therapiezentrum stecken keine große Plattenfirma und kein Management dahinter, die die Band und deren Repertoire massiv steuern.

Die Musiker haben sich für die Produktion und die Veröffentlichung ein Netzwerk von Partnern aufgebaut, die mit der Band gearbeitet haben, vieles jedoch haben die Musiker selbst gemacht, organisiert, koordiniert und sich künstlerisch nicht reinreden lassen, sondern das auf Platte gebracht, wovon sie überzeugt sind, Songs aufgenommen, die ihnen etwas bedeuten und das hört man.

Dass hier nicht jeder Schuss ein Volltreffer ist, das Album auch weniger reizvolle Songs bietet, nimmt man offenbar in Kauf, aber dies ist ja auch keine Greatest-Hits-Compilation, sondern bildet die Band und ihre Musik so ab, wie sie aktuell ist, mit kleineren Schwächen, aber auch mit sehr vielen Stärken.

Therapiezentrum haben ein sehr treffsicheres Gespür für große Pop-Melodien, wie in „Kein Versprechen“, ihrer ersten Single-Auskopplung, dessen dazugehöriger Videoclip kurz nach Veröffentlichung in den Top-10 der MyVideo.de-Rockcharts landete. Ein Song mit kraftvollem Sound, funky-Groove in der Strophe und packendem Ohrwurm-Refrain. „Tanz im Teufelskreis“ kommt ähnlich stark und klanglich voluminös daher und zählt ebenfalls zu den Höhepunkten von „Herz.Rhythmus.Störung“.

Ansprechende Produktion ein feines Artwork – insgesamt eine runde Sache. Therapiezentrum ist eine hochmotivierte Band deren Musik häufig nicht nur schnell im Ohr bleibt, sondern auch eine Band, die man im weiten Feld junger Pop-Rock-Enthusiasten wohl mal im Auge behalten könnte.


Andreas Haug
(7 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.tzmusik.de

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