Gehört und Gesehen - Halfway Decent

31.01.2014Halfway Decent

Halfway Decent

Halfway Decent

Eigenvertrieb (2014, CD)

Nach ihrem fünf Songs umfassenden Erstling „Pictures And Places“ präsentiert das Osnabrücker Punk-Rock/Post-Hardcore-Trio Halfway Decent zu Beginn des Jahre 2014 sieben weitere Songs auf einer selbstbetitelten CD, die sich bereits bei zahlreichen Live-Shows der umtriebigen Band bewährt haben.

Unter den sehr vielen Punk-Rock/Post-Hardcore-Newcomerbands, die in Deutschland an den Start gehen oder sich auch seit geraumer Zeit in der Szene tummeln, ragen Halfway Decent durchaus heraus. Die Band beweist Talent, einen guten Mittelweg zwischen melodischem, griffigem Songwriting und schmutzigem, energiegeladenen Punkrock zu beschreiten.

Hier werden keine Pop-Songs in ein punkiges Gewand gesteckt und auf hart getrimmt, es sind vielmehr substanziell gehaltvolle Rock-und Punk-Rock-Songs mit zum Teil richtig packenden Hooklines. Musikalische Vorbilder und Einflüsse sind hör-und spürbar. Dazu dürften in erster Linie US-Acts wie Hot Water Music oder auch The Gaslight Anthem gehören. Sänger und Gitarrist Christopher Knoke haut mit einer rauen Raspelstimme voller Inbrunst Strophen und Melodien ins Mikro, als stünde er in einem engeren verwandtschaftlichen Verhältnis zu Chuck Ragan, während Matthias Schmidt (Schlagzeug, Gesang) und Michael Groom (Bass, Gesang) untenrum für ordentlich Druck und Tempo sorgen.

Auf Konzerten konnte man die Band des Öfteren als echte Einheit kennenlernen, die ihre Musik mit sehr viel Leidenschaft und Spaß auf die Bühne bringt. Dort geht es dann nicht selten mit richtig Härte und Rotz zur Sache, was sich auf der EP nicht immer im ganzen Umfang vermittelt. Die sieben Songs sind dann eher sauber -wenn auch nicht glatt- produziert in die Spur gebracht und es braucht bis zum dritten Song „Ironic“, bis die Band so richtig Fahrt aufnimmt und mit Volldampf nach vorn prescht, mit „Solemn Souls“ an Position Vier wird dann kräftig nachgelegt.

Halfway Decent haben auf dieser EP offenbar einen dramaturgischen Spannungsbogen inszeniert und verschießen ihr Pulver nicht gleich bei den Einstiegssongs „5:30“ und dem tendenziell pop-rockig angehauchten „Eyes Half Closed“.

Mit „Leaving“ zeigt die Band, dass sie auch mal ein, zwei Gänge herunterschalten kann. Man beginnt balladesk und mündet dann in einen hymnenhaften Refrain.

Insgesamt ist die EP mehr als solide und ansprechend gelungen und untermauert, dass hier eine junge Band mit schon großem Format, Herzblut und echter Klasse am Werk ist. Im Newcomer-Umfeld schon sehr weit oben anzusiedeln, haben Halfway Decent mit dieser Platte ihr Potenzial aber sicher noch nicht vollständig ausgeschöpft. Das mag Band und Fans beruhigen, denn das kann Vorfreude schüren auf das, was da in Zukunft noch kommen könnte.


Andreas Haug
(7 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.halfwaydecent.de
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