Gehört und Gesehen - Reincarnation On Stage

17.01.2014Eloy

Eloy

Reincarnation On Stage

Artist Station / Soulfood (2014, 2CD)

Für Fans der in Hannover gegründeten Eloy, zweifellos die erfolgs-und einflussreichste Art-/Progressive-Rockband der deutschen Rockszene, muss es eine ganz große Geschichte gewesen sein, als Frank Bornemann und seine musikalischen Mitstreiter im 2009 mit „Visionary“ ein neues Studioalbum auf den Markt gebracht hatten und obendrauf noch Festival-und Tourshows ankündigten.

2011, 2012 und auch noch Anfang 2013 waren Eloy in großer Besetzung unterwegs und schnitten die Konzerte mit. Es wurde Material ausgewählt, gemischt und das Ergebnis der Rückkehr von Eloy ist die Doppel-Live-CD „Reincarnation On Stage“. Da Eloy oft deutlich mehr als zweistündige Shows spielten, hat sich die Band nicht lumpen lassen und diese erste Live-Veröffentlichung seit 1978 entsprechend großzügig gestaltet: Zwei CDs, zwei Booklets und insgesamt 21 Songs, die, wie im Progressive-Rockbereich oft üblich, mitunter die 10-Minuten-Marke überschreiten.

Das Programm und damit auch dieses Doppel-Live-Album können schon als eine Art „Best Of“ mit Tendenz zu einer Werkschau gesehen haben, wenn auch nicht Material aus allen Alben seit dem 1971er-Debüt „Eloy“ Stücke berücksichtigt wurden. Die wohl wichtigsten Klassiker aus den besonders erfolgreichen Veröffentlichungen sind dabei, wie vor allem Musik aus „Ocean“ (1977), „Colours“ (1982) und „Ocean II – The Answer“ (1998). Aus dem anhand von Chartnotierungen höchstplatzierten „Silent Cries And Mighty Echoes“ (1979) spielten Eloy das mehr als elfminütige „The Apocalypse“. Die ältesten Titel bilden „The Bells Of Notre Dame“ aus „Power And Passion“ (1975), die jüngsten stammen aus „Visionary“ (2009).

Es gibt Bands, oft auch Plattenfirmen, die im Rahmen ihrer Repertoire-Auswertung zuweilen recht lieblos zusammengestellte Compilations und Live-Platten auf den Markt werfen. Sind diese jüngeren Datums und die Band schon seit Jahren oder Jahrzehnten dabei, wirken solche Veröffentlichungen aus künstlerischer Sicht oft fast überflüssig, im Fall von Eloy und „Reincarnation On Stage“ ist wohl eher das Gegenteil der Fall.

Mit zwei Gitarristen, zwei Keyboardern, Bass, Schlagzeug und drei Sängerinnen konnten Eloy „wirklich alle Titel authentisch und ohne Kompromisse“ auf die Bühne bringen, wie Mastermind Frank Bornemann erklärt. „Reincarnation On Stage“ präsentiert die Band in hervorragender Verfassung und Spielfreude, Sound und Mix bringen auf beiden CDs die Atmosphäre und die Intensität vieler Kompositionen ohne Einschränkungen herüber. Ob kernig groovende Rockparts oder fantasievoll inszenierte Stücke mit Tiefgang aber dennoch Leichtigkeit – man hört und spürt, wie homogen, sorgfältig und leidenschaftlich Eloy ihre Musik auf die Bühne bringen.

Für eingeschworene Eloy-Fans dürfte „Reincarnation On Stage“ ein Genuss sein, Progressive-und Art-Rock-Anhänger, die noch nicht seit Beginn der 1970er-Jahre im Thema sind, können hier teilweise heraushören, inwieweit Eloy nachfolgende Generationen von Prog-Bands beeinflusst haben müssten und dass auch Musik mit mehr als 30, 40 Jahren auf dem Buckel immer noch mit Glanz und einer gewissen Frische erklingen kann.

Ein besonders gelungenes und hörenswertes Live-Album.


Andreas Haug
(8 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.eloy-legacy.com

Weitere oder ähnliche CD/DVD-Besprechungen:
Eloy - Visionary (2009)
© Copyright: Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Weitere Infos + Nutzungsbedingungen im Impressum
Zur Übersicht Zur Startseite