Gehört und Gesehen - Whateverest

06.12.2013Run, Melos!

Run, Melos!

Whateverest

Eigenproduktion (2013, CD)

Debüt-Alben, oder wie in diesem Fall eine Debüt-EP einer jungen Band aus Hannover und Hildesheim, haben nicht selten einen besonderen Reiz, der im Unperfekten und Unverbrauchten des Projekts liegt.

Run, Melos! haben im Hildesheimer „Studio Super-Cool“ sechs Songs aufgenommen, die so humor-wie phantasievoll anmutende Titel tragen wie „Boris Jelzin vs.Snake Plissken“ oder „Explosions At The Yoghurt Factory“.

Musikalisch verarbeitet die Band um Joanna Rieck (Bass), Britta Beutnagel (Gitarre, Gesang), Andreas Hoffmann (Schlagzeug, Gesang) und Werner Robert Beutnagel (Gitarre) Elemente aus poppigem Punk, melodischem Post-Hardcore, Indie, Alternative, Emo, Screamo und Progressive. Was sich komplex wie kompliziert liest, ist im Ergebnis ein ein recht individueller Sound und Songwriting-Stil der letztlich auch wegen seiner Transparenz beachtenswert ist.

„Whateverest“ wurde -so die Medieninfo- live eingespielt, die Aufnahmen sind rau, ungeschliffen und direkt, auf aufwändige Produktions-Aufblas-Tricks und Gimmicks hat man verzichtet und auch damit setzen sich Run, Melos! auf angenehme Weise von vielen hochkarätigen, voluminösen Industrie-Produkten internationaler Punk-Pop-Rock, Melodic-Punk-Rock oder Emo/Screamo-Acts ab.

Die Platte wirkt eher wie ein sehr gutes Demo auf der eine Band zu hören ist, der man schon noch anmerkt, dass man noch nicht ganz so viele Jahre dabei ist und auch noch nicht so lange zusammenspielt, aber genau das macht die gewisse Frische und den Drive von „Whateverest“ aus.

Hier hat eine Band genug Raum, ihren Ideenreichtum in originellen Songs aufgehen zu lassen, die jungen Musiker und Musikerinnen vermitteln Leidenschaft und Spielfreude, gehen forsch und unverkrampft zur Sache und sind auf einem gutem Weg, in puncto Sound und Stil ihre eigene Nische zu finden.

Die Platte ist ein gutes Beispiel dafür, dass man an Songs und Arrangements nicht unbedingt jahrelang herumdoktern muss und dass man nicht alles bis-zum-geht-nicht-mehr ausgetüftelt und aufgebauscht durchproduzieren muss, um sich an Märkten oder vermeintlichen Erfolgsmodellen zu orientieren.

Run, Melos! ist mit „Whateverest“ eine hörenswerte, schlichte wie schöne EP gelungen. Sympathisch und mit Perspektive.


Andreas Haug
(6 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.facebook.com/runmelosmusic
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