Gehört und Gesehen - Fun On Earth

14.11.2013Roger Taylor

Roger Taylor

Fun On Earth

Universal Music (2013, CD)

„Früher war mehr Lametta“ beschwert sich Opa Hoppenstedt in dem berühmten Sketch „Weihnachten bei Familie Hoppenstedt“ des unvergessenen Loriot mehr als nur einmal. Früher war auch mehr Rock´n´Roll bei Roger Taylor, möchte man angesichts des neuen Solo-Albums des Queen-Schlagzeugers sagen, denn „Fun On Earth“ zeigt den Schlagzeuger, Sänger und Multiinstrumentalisten von einer eher ruhigen und ernsten Seite.

Wenn sich Roger Taylor in früheren Jahren abseits von Queen in Solo-Projekten und mit seiner früheren Zweitband The Cross austobte, dann gab es meist recht frische, knackige, geradlinige und vitale Rock-Alben zu hören. Sein erstes Solo-Album stammt aus dem Jahr 1981 und trägt den Titel „Fun In Space“. Das hatte Biss und war von einer gewissen Leichtigkeit geprägt, „Fun On Earth“ vermittelt über weite Strecke mehr Nachdenklichkeit als Spaß.

Von der Grundstimmung sind die 13 Songs recht melancholisch, dunkel, fast schon schwermütig. Vieles fühlt sich nach Spätherbst und Abschiednehmen an, so, als wolle der Musiker, den man über Jahrzehnte als quirligen Spaßvogel und Partylöwen kennengelernt hat, auf sein Schaffen und sein Leben zurückblicken und so langsam auf die Zielgerade steuern.

Nun ist „Fun On Earth“ eine Medaille mit zwei Seiten. Es fehlt an wirklichen Krachersongs, das Material entpuppt sich selten als eingängig respektive einprägsam, immer dann, wenn man griffige, kompakte Melodiebögen erwartet, kriegt Taylor schnell wieder die Kurve, macht einen Schlenker und serviert Harmonielinien, mit denen man nicht gerechnet hätte. Das macht das Ganze manchmal umständlich, aber auch wieder spannend, zumal die meisten Songs, deren Basis oft Rock, Soul und Blues der frühen Siebziger ist, recht pfiffig und unkonventionell und damit auch wieder frisch und modern produziert sind, sich nicht Radioformaten oder dem Mainstream anbiedern.

Zu den Höhepunkten des Albums zählen das fast rock-jazzig-swingende „I Don´t Care“, das möglicherweise auch auf Tanzflächen hipper Clubs funktionieren könnte und mit würzigen Gitarrenriffs gespickt ist und die Ballade „Say It´s Not True“, die sich schon auf dem 2008er-Queen-Album „The Cosmos Rocks“ fand, für Taylors Solo-Album aber nochmal neu eingespielt wurde mit niemand Geringerem als Jeff Beck an der Gitarre. Dass dieser der Feuerzeugballade noch ein ungeheuer gefühlvolles und markantes Solo aufsetzt, gibt dem Song die berühmten paar Prozentpunkte, die aus „okay bis gut“ „sehr gut“ machen.

„Fun On Earth“ hat einige schöne Songs zu bieten, oft kommt Roger Taylor aber auch nicht so richtig in Fahrt und mit den Kompositionen nicht wirklich auf den Punkt. Vor allem die eher nachdenklich-melancholische Grundstimmung des Albums mag jetzt im Herbst nicht Jedermann Spaß bereiten. Oder vielleicht gerade doch? Um es sportlich angehaucht auszurücken: Da wäre wahrscheinlich etwas mehr dringewesen.


Andreas Haug
(6 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.rogertaylorofficial.com
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