Gehört und Gesehen - Live At Luna Park

08.11.2013Dream Theater

Dream Theater

Live At Luna Park

Eagle Vision / edel (2013, 2DVD)

Fast parallel zur Veröffentlichung ihres neuen Studioalbums runden die Progressive-Metal-Virtuosen von Dream Theater mit dieser Doppel-DVD ihr letzte „A Dramatic Tour Of Events“ ab, die sie anderthalb Jahre um den Erdball führte.Im August 2012 traten Dream Theater im Rahmen dieser Tour zweimal in der „Luna Park Arena“ in Buenos Aires auf. Diese Shows wurde für diese Doppel-DVD aufgezeichnet.

Für Fans der Band bietet „Live At Luna Park“ allein schon quantitativ viel zu konsumieren. Zum einen gibt es das über zweineinhalb Stunden andauernde Konzert, diverse Bonus-Tracks, eine Dokumentation rund um die Band und weiteres Material. Insgesamt kommt diese Veröffentlichung auf eine Spielzeit von 300 (!) Minuten.

Die Band, die auf dieser Tour erstmals mit ihren neuen Schlagzeuger Mike Mangini unterwegs war, zeigt sich im Verlauf der ausführlich gestalteten Live-Show von zwei Seiten. Zum einen als beinahe schwindelerregend virtuos agierende, harte Prog-Metal-Band, der es bei ihrem Wirken zu folgen, einiges an Durchhaltevermögen abverlangt.

Dass sich diese Band aus begnadeten und extrem musikalischen Instrumentalisten zusammensetzt, war schon zuvor allgemein bekannt, dass man aber über weite Strecken des Konzertes damit beeindrucken will, wie schnell und gekonnt man komplizierteste, fast halsbrecherische rhythmische und musikalische Figuren inklusive Skalen rauf und runterspielen kann und dabei fast die Grundlage des Ganzen -den Song- zu vergessen scheint, ist auf die Dauer anstrengend.

Das wirkt zuweilen wie auf einer Musikinstrumenten/Produkt-Vorführung im Rahmen einer Messe oder einem Workshop für Musiker, denen der Mund vor lauter Staunen nur noch offen steht. Vor dem Hintergrund des beeindruckenden Equipments der Band aus dem besonders der pompöse Schlagzeugkäfig von Mike Magini hervorsticht, wirkt das eher wie eine kühl kalkulierte, sorgsam einstudierte Frickel-Olympiade. Seit wann ist Musik Hochleistungssport?

Für an Songwriting und an etwas zugänglicheren Melodien Interessierte hat die Band aber auch Einiges zu bieten und das ist die zweite Seite von Dream Theater. Wenn die Musiker eindringliche Rock-Balladen wie „The Silent Man“ (akustisch) oder „Beneath The Surface“ (beide bei dieser Show sogar mit Streichquartett auf der Bühne) oder das packende „The Spirit Carries On“ präsentieren, dann macht sich Gänsehaut bei denen breit, die es nicht so mit der technokratischen Seite und dem Frickel-Dampfhammer dieser Band halten.

Kaum überraschend, dass im Verlauf der Show auch diverse, meist mehrminütige Solo-Einlagen von jeweils Schlagzeug, Piano und Gitarre ihren Stammplatz haben. Kann man mögen, muss man nicht. Wer etwas „straighter“ gestrickt ist, für den ist womöglich der Song „Surrounded“ etwas, der eher das Feld des melodischen 70er/80er-US-Rock à la Toto beackert.

Das Konzert ist zwar ansprechend in Bild und Ton festgehalten, allerdings vermittelt sich nicht das ganz große Live-Erlebnis, wie man das von Live-DVDs anderer Acts kennt. Die Halle war zu diesem Konzert bestuhlt und wenn die Kamera über den Zuschauerraum und die Tribünen fährt und neben vielen Stehenden auch einige verhalten mitklatschende Besucher einfängt, die in ihren Sitzen hängen, dann gibt das für den Betrachter nicht wirklich den großen Kick.

Die Dokumentation auf DVD 2 ist eher was für eingefleischte Fans, die sich hier ebenfalls nochmal beeindrucken lassen wollen. Dream Theater werden reißerisch als „Rock Ikonen“ angekündigt, man wirft mit Verkaufszahlen um sich, zeigt die Band beim Proben, Backstage beim Aufwärmen, beim Soundcheck und beim Verspeisen von ob ihrer Größe beinahe monströser Steaks. Die Doku geht unter anderem nochmals auf den Ausstieg des langjährigen Drummers und Gründungsmitglieds Mike Portnoy ein, zeigt Auditions diverser Drummer, die zum Vorspiel für den neu zu besetzenden Posten eingeladen wurden (darunter der gebürtige Hannoveraner Marco Minnemann) und versucht den Betrachter dieses Beitrages emotional mitzunehmen. Der Ausstieg von Portnoy als „Schock“ für alle, das Gefühl der „Trauer“ werden strapaziert, um dann vom Sprecher in kräftigen Worten mitteilen zu lassen, dass die Reise für Dream Theater nun erst begonnen habe. Hier wird dann schon arg kitschig-pathetisch aufgefahren.

„Live At Luna Park“ ist eine Medaille mit zwei Seiten und ist zwischen packend-überzeugend und anstrengend bis langweilig anzusiedeln.

Die nächste Dream-Theater-Tour ist bereits in Sichtweite. Im Winter 2014 ist die Band auch wieder in Deutschland und wird in Hannover wieder am 9.Februar zu Gast sein.


Andreas Haug
(5 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.dreamtheater.net
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