Gehört und Gesehen - Das Gegenteil von Allem

18.10.2013Jupiter Jones

Jupiter Jones

Das Gegenteil von Allem

Columbia / Sony (2013, CD)

Jupiter Jones, die Band aus der Eifel, die einst vor allem für kernigen, handgemachten Rock´n´Roll mit Punk-Rock-Einschlag und sehr ansprechende deutsche Texten stand, viele Jahre eifrig auf Indie-Level die kleinen Szene-Clubs bespielte und sich so „auf die harte Tour“ ihre Fangemeinde erspielte, erlebte vor zwei Jahren mit dem Super-Hit „Still“ so etwas wie den ganz großen Durchbruch in Deutschland und ist damit quasi in der 1.Liga deutscher Rock-und Pop-Bands und dem sie umgebenden Musik-und Medien-Business angekommen.

Ein breites, dem Radio-Pop-Rock und Mainstream zugeneigtes Publikum hatte man mit „Still“ dann auch gleich auf seiner Seite, ein Publikum, das sich zuweilen wunderte oder auch mal nahezu verschreckt reagierte, wenn Jupiter Jones bei ihren Konzerten Rock und Punk-Rock abseits des Single-Hits aus ihrem Backkatalog auf die Bühne brachten.

Die Frage, die sich vor der Veröffentlichung des neuen Jupiter-Jones-Albums „Das Gegenteil von Allem“ stellen durfte: Was kommt nach „Still“? Kann die Band etwa ähnlich erfolgreich nachlegen? Muss sie das sogar um sich auf dem Level zu halten?

Sie versucht es und es gelingt gewissermaßen auch ein bisschen, wie etwa mit dem vom Gerüst und der Machart „Still“ recht ähnlichen Song „Rennen + Stolpern“, seines Zeichens Track 2 auf dem neuen Album.

Auch sonst kann das an gut durchhörbaren deutschen Radio-Pop-Rock gewöhnte Publikum beruhigt an die Platte herangehen. Bis auf das durchaus frische, hochenergetische wie auch punk-rock-rotzige „Denn sie wissen, was sie tun“, mit Jennifer-Rostock-Sängerin Jennifer Weist und Ferris MC als „featuring artists“, gibt es auf „Das Gegenteil von allem“ jede Menge Songs, die vor allem wegen ihrer Arrangements und der Produktion überwiegend adrett und überraschungsfrei daherkommen.

Es sind Songs mit typischen und erfolgsbewährten Jupiter-Jones-Harmonie- und Melodie-Strickmustern, die in der zweiten Hälfte des Albums vereinzelt dann schon sehr hart in Richtung Pop-Schnulze spielen. „Die Landung“ mag als exemplarisches Beispiel herangeführt werden. Die Band wirkt mit dieser Produktion marktkonform- angepasst, an den schwächsten Stellen beinahe reizarm und langweilig.

„Das Gegenteil von allem“, so wirkt es, soll es wohl allen Hörern, in erster Linie aber einer breiten Käuferschicht irgendwie recht machen, vor allem aber will man mit dieser Musik offensichtlich nicht anecken, sondern auf „Nummer sicher“ gehen.

Das Album scheint vielmehr wie ein wohlüberlegtes bis scharf kalkuliertes, extrem professionell wie zielführend gesteuertes Design-Produkt angelegt zu sein, das in dieser Aufmachung gefällige Musik einer Band präsentiert, die in dieser Verfassung weder Fisch noch Fleisch ist, dafür aber wohl am ehesten zweierlei: Auf weitgehend branchenübliche-und zeitgemäße Massen-Pop-Unterhaltung ausgerichtet und das Gegenteil von Rock´n´Roll.


Andreas Haug
(4 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.jupiter-jones.de

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