Gehört und Gesehen - And I´ll Scratch Yours

27.09.2013Peter Gabriel

Peter Gabriel

And I´ll Scratch Yours

Real World Records / Universal (2013, CD)

Nachdem Peter Gabriel, schon zu Genesis-Zeiten bis Mitte der Siebziger und anschließend als charismatischer Solo-Art-Prog-Pop-Rock-Künstler und Performer erfolgreich, im Jahr 2010 mit seinem Album „Scratch Your Back“ Rock-und Pop-Klassiker von Musikern wie David Bowie („Heroes“) oder Paul Simon („The Boy In The Bubble“) neu interpretierte kommt jetzt mit „And I´ll Scratch Yours“ so etwas wie eine musikalische Retourkutsche.

Auf diesem Album haben zahlreiche, mitunter äußerst prominente Acts, sich dem Werk von Peter Gabriel angenommen und ihrerseits einigen bekannten Songs und Hits des britischen Sängers und Songschreibers ihren Stempel aufgedrückt.

Das Ergebnis ist durchwachsen. Einige Peter-Gabriel-Songs erhalten durch starke und gefühlvolle Stimmen wie musikalische Inszenierungen neue Reize, andere mögen eher unzugänglich wirken, was an den zum Teil sehr individuellen, vereinzelt gar mutigen Interpretationen liegen mag.

Zu den Höhepunkten auf „And I´ll Scratch Yours“ zählen die Version von „Come Talk To Me“ von Bon Iver, „Blood Of Eden“ von Regina Spector, „Mercy Street“ von Elbow oder auch „Shock The Monkey“ von Joseph Arthur. Dagegen kommt „I Don´t Remember“ von David Byrne eher blass herüber. Zu Talking-Heads-Zeiten hatten Byrne´s Gesangs-Darbietungen deutlich mehr Feuer und Würze.

Die Geister scheiden dürften sich auch an der Randy-Newmann-Version von „Big Time“ in einer vom Piano dominierten Blues- und Soul-Fassung und Peter Gabriel´s wohl bekanntesten Solo-Hit „Solsbury Hill“, den Lou Reed mit der seinem Sound eigenen Brachial-Distortion-Gitarre in ein völlig neues Gewand kleidet: Hart, schwermütig, fast düster – das genaue Gegenteil vom beschwingten Original. Interessant sind diese Fassungen allemal und letztlich eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Ein absoluter Peter-Gabriel-Klassiker ist das in der Vergangenheit von zahlreichen Bands und Einzelkünstlern schon gecoverte „Biko“, das hier von Paul Simon gesungen wird, zum Abschluss des Albums aber eher verpufft. Simon hat mit seinem Gesangstimbre eigentlich die perfekt Stimme für diesen Song, die aber eher locker-flockig-folkig heruntergespielte Akustikgitarren-/Gesangs-Version auf diesem Album entzieht „Biko“ doch recht viel von seiner ursprünglichen Dramatik und Intensität.

Desweiteren haben für diese Platte Stephin Merritt („Not One Of Us“), Arcade Fire („Games Without Frontiers“), Brian Eno („Mother Of Violence“) und Feist feat.Timber Timbre („Don´t Give Up“) ihre musikalischen Beiträge geleistet.

Die Idee dieses Album Konzeptes in Verbindung mit „Scratch My Back“ ist schon interessant, die Umsetzung ist bei einigen Songs gelungen, bei anderen eher weniger. So eine typische „Kann-man-machen-muss-man-nicht“-Kiste...


Andreas Haug
(6 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.petergabriel.com
© Copyright: Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Weitere Infos + Nutzungsbedingungen im Impressum
Zur Übersicht Zur Startseite