Gehört und Gesehen - Fight Of The Stupid

12.09.2013Tonia Reeh

Tonia Reeh

Fight Of The Stupid

Clouds Hill / Rough Trade (2013, CD)

Musikexperten und Fans der Berliner Musikerin mögen Tonia Reeh noch als Monotekktoni kennen. So genannte Noise-Attacken, Geschrei und Verzerrer prägten so manches Stück, jetzt, unter ihrem Namen Tonia Reeh und dem neue Album „Fight Of The Stupid“ gibt es von Flügel und Gesang getragene Songs.

Die klassische ausgebildete Pianistin vermengt auf „Fight Of The Stupid“ Klassik, Pop und Jazz und zu einem eigenwilligem, spannendem Mix. Das Album ist einerseits stark experimentell angehaucht, aber dennoch recht zugänglich. Auch wenn Tonia Reeh mit jeder Menge Überraschungen aufwartet und für die übliche Popularmusik mitunter ungewöhnliche Haken im Songwriting schlägt (von den Arrangements einmal abgesehen), sind die anspruchsvollen Kompositionen letztlich schlüssig.

Das kraftvolle, manchmal düstere und komplexe Album eignet sich vorzüglich zum intensiven Zuhören, man mag es hochintelligent in Szene gesetzt nennen, verkopft ist es dagegen nicht. Nick Cave oder PJ Harvey werden in der Medieninformation des Labels Clouds Hill im Zusammenhang mit der Musik von Tonia Reeh genannt, aber wenn schon Assoziationen herhalten müssen, könnte man dazufügen dass „Fight Of The Stupid“ wahrscheinlich auch Musikfreunden gefallen dürfte, die gern Künstlerinnen wie Joni Mitchell, Tori Amos, Kate Bush, Rickie Lee Jones (bei bestimmten Alben) vielleicht auch Sophie Hunger lauschen oder ganz früher gelauscht haben.

Klar erkennen muss man, trotz näherer und entfernterer klanglicher oder kompositorischer Assoziatiohen, dass Tonia Reeh sehr inspiriert und originell wirkende, individuelle Musik geformt hat, die besonders denen Spaß machen dürfte zu lauschen, die sonst womöglich „das gewisse Etwas“, vielleicht auch „das Neue“ an Musik vermissen mögen.

Dass Tonia Reeh mit „Fight Of The Stupid“ alles andere als Musik von der Stange bietet, wird noch durch kleine, pfiffige Beigaben unterstrichen: Omar Rodriguez-López, bekannt von The Mars Volta und Bosnian Rainbows hat bei zwei Songs einige Gitarrenfiguren eingestreut, es gibt hier und da Bläser zu hören und obendrein hat Produzent Johann Scheerer auf vergleichsweise ungewöhnliche Art und Weise Perkussioneffekte beigesteuert.

Wenn man es gegen Ende des Albums auch nicht sofort identifizieren kann, so soll die Klappe eines alten Kaffeeautomaten zur Rhythmusektion umfunktioniert worden sein, Schlagzeuger Tim Schierenbeck soll -der Studiolegende zu Folge- Hunde-Fressnäpfe mit einem Besen bearbeitet haben.

Ein außergewöhnlich spannendes und auch schönes Album von einer hörbar außergewöhnlichen Pianistin und Sängerin, handwerklich wie künstlerisch betrachtet.


Andreas Haug
(9 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.toniareeh.de
www.clouds-hill.com
© Copyright: Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Weitere Infos + Nutzungsbedingungen im Impressum
Zur Übersicht Zur Startseite