Gehört und Gesehen - Everest

22.06.2013Carlini

Carlini

Everest

Rockwerk Records (2013, CD)

Pünktlich zu seinem 50.Geburtstag veröffentlicht der hannoversche Rocksänger und Songwriter Marino Carlini sein Album „Everest“. Dieses Album gestaltete sich als ein über ein Jahr andauerndes Projekt.

Zahlreiche Freunde, Familienangehörige und musikalische Wegbegleiter mit denen Carlini seit Ende der 1970er-Jahre in verschiedenen Bands und Projekten spielte und zum Teil noch heute Musik macht, haben ihre Beiträge zu „Everest“ geleistet, darunter Schlagzeuger Michael Wolpers, Schlagzeuger und Perkussionist Robert „Jöcky“ Jöcks, Bassist Matthias „Zach“ Meinecke, die Gitarristen Christian „Chrille“ Schulz, Steven Hänisch und Markus Schier, um nur einige zu nennen. Neben Carlini selbst, klangvolle und arrivierte Namen der hannoverschen Musikszene.

Mitunter reichhaltig und originell instrumentiert (auch eine Oboe und eine Sitar kommen zum Einsatz-d.Verf.), präsentiert sich Carlini auf „Everest“ sehr facettenreich. Straighte, groovige Rocker und ausgefuchst arrangierte Pop-Songs gibt es genauso wie feinfühlige Balladen. Carlini hält es zeitweise ähnlich wie einige seiner persönlich favorisierten Bands wie etwa The Beatles, The Police oder teilweise auch Queen: Die Songs kommen auf den Punkt, haben griffige, zum Teil unkomplizierte wie eingängige Melodien und werden hier und da mit einer ordentlich Portion Dramatik, Backgroundchören und liebevoll entwickelten produktionstechnischen Details in Szene gesetzt.

Wieviel Arbeit und Herzblut in diesem Album offenbar stecken, kann man hören, da braucht man gar nicht die mehr als 30 Folgen des im Sommer 2012 gestarteten „Everest“-Videoblogs zu schauen, der die gesamte Produktion in ihren vielen Schritten begleitet und die vielen Mitwirkenden vorstellt.

Musikalisch und vom der produktionstechnischen Aspekt ist „Everest“ nicht gerade das, was man besonders modern, top-aktuell oder gar hip nennen kann. In dieser Form hätte die Platte vielmehr in den Achtzigern oder Neunzigern herauskommen können, respektive dafür stehen können.

Was das Songwriting angeht, sind Carlini´s Inspirationen aus den Siebzigern spürbar. Damit ist der Sänger und Songwriter aber sich und seiner Linie treu geblieben, fährt im sicheren Fahrwasser ohne sich in unbekannte Tiefen zu wagen. Carlini stand schon immer für Rock und Pop klassischer Ausrichtung, auf „Everest“ ist das auch so, allerdings ohne dicke Staubschicht, sondern meist durchaus mit Frische und Pep.

Dass sich dem Hörer bei dem lang angelegtem Schritt-für-Schritt- Overdub-Puzzel-Projekt kaum wirkliches Band-Zusammenspiel-Gefühl vermittelt, sondern einiges manchmal etwas statisch wirkt, ist dann wohl der Projektidee selbst und dem großen Aufwand geschuldet, was in diesem Fall aber kein größeres Problem darstellt.

Es zählen die Songs, der Sänger und die Nachhaltigkeit von zum Teil jahrzehntelanger musikalischer Arbeit und wohl auch die Freundschaft der hier Ausübenden untereinander. „Everest“ ist auf seine Art ein besonderes, ehrliches und sympathisches Album geworden, mit dem sich Carlini vielleicht sein schönstes Geschenk zum runden Geburtstag selbst gemacht hat.

„Everest“ von Carlini erscheint am Dienstag, den 25.Juni 2013 unter anderem digital und kann als CD über die Website des Musikers geordert werden.


Andreas Haug
(7 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.carlini.de

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