Gehört und Gesehen - Sundancer

22.06.2013Fair Warning

Fair Warning

Sundancer

Steamhammer / SPV (2013, CD)

“Soll ich Ihnen die Reste einpacken?” So oder ähnlich könnte man auch beim Kauf des neuen Fair Warning Albums gefragt werden. Melodic-Hard-Rock. Wird so was noch gespielt? In Deutschland?

Die Band, die im Jahr 2000 nach zehnjähriger Laufzeit erkannte, dass der Markt schon lange nicht mehr nach melodischem Poser-Rock lechzt, hat mit „Sundancer“ einen neuen Longplayer fertig gestellt. 2005 hatten sich die Mannen Tommy Heart (Gesang), Helge Engelke (Gitarre&Keys), Ule Ritgen (Bass) und CC Behrens (Schlagzeug) reuniert. Fair Warning konnten zu Beginn ihrer Laufbahn riesige Erfolge vor allem im Rock- und Metal-begeisterten Japan vorweisen und waren ein Beispiel für erfolgreichen deutschen Musiktourismus.

Aber zurück zu den Resten: Die 14 Tracks dieses Albums klingen wie ein Relikt vergangener Tage. Wäre die Band Anfang/ Mitte der 80er Jahre damit auf den Markt gegangen, wäre das ein umwerfendes Stück Musik geworden. Heute - 25 Jahre reifer - wirkt das vollkommen weltfremd und dermaßen unzeitgemäß, dass es schon fast nicht zu glauben ist. Das ist ein bisschen so, als würde man sich heute noch wie ein Darsteller von Waynes World verhalten und die Erde hätte sich aufgehört weiter zu drehen. Freakshow also.

Was man bei allem Genöle nicht unter den Tisch kehren darf ist die Tatsache, dass das Quartett für die Fans der Marke „Melodischer Hardrock im 80er Kittel“ hier ein nahezu perfektes Album eingespielt hat. Musikalisch ist man erhaben und bedient sämtliche Klischees breitbeinig. Highspeed-Frickelgitarre, dumpfer Achtelbass, Powerdrumming, das komplett ohne vorgezogene Betonungen auskommt und drückende und vibrato-schwangere Leadvocals. Da glänzen die Augen des ehemaligen Kuttenträgers, der die Haare mittlerweile von links nach rechts über die Geheimratsecken kämmt. Wären da nicht die vollkommen unnötigen und nervigen Keyboards. Die sind auf „Sundancer“ niemals eine Bereicherung sondern immer nur Ballast.

Die Songs funktionieren aber häufig und verfügen über Unmengen an Hooklines und Gelegenheiten die Arme nach oben zu reißen. „Natural High“ groovt wunderbar im Deep Purple/ Def Leppard-Style. “Real Love” ist die perfekte Schmalz-Ballade für den harten Rocker. Gut gemachter und schöner Song in den Sänger Tommy Heart perfekt eintaucht und der durch ein tolles Gitarrensolo von Engelke perfektioniert wird. Auch bei dem wuchtigen „Send me a dream“ wird deutlich, dass Fair Warning auf gleicher Augenhöhe mit den englischen und amerikanischen Kollegen spielen. Besser machen das Deep Purple, Coverdale, Bon Jovi oder andere Vertreter auch nicht.

Und besonders wenn man sich die Entwicklung des letzten Kandidaten anguckt, der in 15 Jahren fast ausnahmslos möchtergern-hippen Schrott geschrieben hat bin ich fast froh, dass Fair Warning ihrem Stil treu bleiben.

Fazit: Für Fans des aussterbenden Melodic-Hard-Rock eine Erfüllung. Für alle anderen wie ein Ausflug in eine andere Zeit, die man heute kaum noch cool finden kann.


Jan Hagerodt
(7 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.fair-warning.de
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