Gehört und Gesehen - Didn´t it rain

23.05.2013Hugh Laurie

Hugh Laurie

Didn´t it rain

Warner Music Group (2013, CD)

Es gibt Musiker die sich als Schauspieler versuchen und es gibt Schauspieler die musizieren. Zu letzterer Gattung zählt Hugh Laurie. Als James Hugh Calum Laurie 1959 in Oxford geboren, kennt man den Briten wohl eher als zynischen Diagnose Spezialisten Dr. House in der gleichnamigen Erfolgsserie.

Seiner Leidenschaft zu steinalter Jazz- und Blues Musik fröhnte der 53-jährige schon des Öfteren in seiner Rolle als Weißkittel und war dort am Piano oder an der Gibson Klampfe zu beobachten. Auf „Didn’t It Rain” verabschiedet sich Hugh Laurie von den typischen New Orleans-Klängen seines ersten Albums und folgt dem Blues stromaufwärts in das Herz Amerikas. Das Album beinhaltet Songs früher Pioniere wie W.C. Handy („St Louis. Blues”) und Jelly Roll Morton („I Hate A Man Like You“), sowie Lieder modernerer Künstler, wie Dr. John (“Wild Honey”) und Alan Price von The Animals (“Changes”).

Laurie tritt als Sänger, Gitarrist und Pianist in Erscheinung. Das sowohl er, als auch seine Band ihr Handwerk verstehen, wird schnell klar. Die dreizehn Tracks grooven, shufflen und schleppen sich den Strom aufwärts; gerne auch mit einer gehörigen Portion Schwermut. Was für Liebhaber dieser Musikrichtung sicherlich eine kleine Perle darstellt, ist für alle „Normalos“ eher als Hintergrundmusik zum 4. Whiskey im Raucherbereich einer fast menschenleeren Bar denkbar. „Muss man schon mögen“ ruft der Diplomat. Begrifflichkeiten wie „heißer Scheiß“ oder „Next Big Thing“, die gerne im Rahmen aktueller Veröffentlichungen fallen, sind hier fehl am Platz. Aber, liebe Trendsetter: Frische Midtempo-Nummern wie „Wild Honey“ machen Spaß und sind einfach hervorragend gemuckt.

"Ich habe beschlossen mich weiter voran zu kämpfen, tiefer einzudringen in den Wald der amerikanischen Musik, die mich verzaubert hat, seit ich ein kleiner Junge war", erklärt Laurie. "Und je weiter ich gehe, desto mehr werde ich verzaubert - sowohl von den Songs, als auch von den Menschen, mit denen ich das Glück hatte zu spielen." Das diese Aussage stimmt merkt man der Produktion von Joe Henry deutlich an.

Am 7. Juni wird Hugh Laurie für ein einziges Konzert in Deutschland (Berlin, Admiralspalast) zu sehen sein. Den bärtigen Griesgram in diesem Rahmen auf einer Bühne zu erleben dürfte sehr interessant sein. „Didn´t it rain“ ist kein Pressegag mit Promibonus, sondern die stimmig umgesetzte Leidenschaft eines kleinen Jungen, der mittlerweile groß (und millionenschwer) ist.

Fazit: Diagnose: Schwere Bluesilitis infolge chronischer Jazziidose. Auf jeden Fall kein Lupus.


Jan Hagerodt
(7 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.hughlaurieblues.com
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