Gehört und Gesehen - Komma´klar

08.12.2006Hammerhai

Hammerhai

Komma´klar

Wolverine/SPV (2002)

Was wäre wohl die unoriginellste Art, eine Rezension über die neue Hammerhai-CD „Komma’ klar!“ zu beginnen? Ganz zweifellos eine Lexikonpassage über den Begriff Hammerhai zu zitieren und die Rezension daran aufzuhängen.

Dort stehen so Begriffe wie „furchteinflößendes Raubtier mit großem Kopf“ oder „sofortige Eigenständigkeit nach der Geburt“. Wunderbar allgemeine Begriffe, die man auf jede Band passend umdeuten kann. Dabei sind Hammerhai alles andere als gewöhnlich. Das war jetzt auf der Skala der Unoriginalität die zweite Variante, um den Blick ins Lexikon doch nicht umsonst gewesen sein zu lassen.

„Komma’ klar!“ ist für die Musikszene wie der Frühling fürs Gemüt. Entwaffnend fröhlich und erfrischend innovativ. Beim ersten Hören der Texte kommt man nicht umhin, häufig zu grinsen und gelegentlich sogar loszulachen, so als höre man eine gut gemachte Satire. Sonst lacht man beim Hören von Musik ja häufig nur über die unfreiwillige Komik einer Band, aber die Texte von Hammerhai sind verbunden mit der Art der Intonation von Sänger Sölti einfach witzig.

Die bedrohliche Stimmung des Covers, das eine Handgranate zeigt, wird kontrastiert durch die Rückseite, welche die fünf Musiker darstellt, wie sie eine Pusteblume anblasen. Im Hammerhai-Universum herrscht die Zweideutigkeit.

Dazu kommt dieser beschwingte Ska-Rhythmus, der beim Abwaschen garantiert für den Bruch einiger Teller verantwortlich sein wird, weil die Fröhlichkeit der Musik zu gelegentlichem Übermut führt, so dass man einfach hin und wieder mal spontan einen Teller in die Luft werfen muss.

Und während er dann zu Boden fällt, tanzt man längst in der anderen Ecke des Zimmers. Zu allem Überfluss kommt noch dazu, dass die Band durch ihre Texte auch noch ungemein sympathisch rüberkommt. Systemkritik, die sich aber nicht fanatisch ernst nimmt.

Der Hammerhai küsst aggressiv und beißt zärtlich. Wie der Frühling. Psst, hat der Rezensent Drogen genommen?

Nein, er hat nur Hammerhaigefühle...

www.hammerhai.net


Tobias Lehmann
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