Gehört und Gesehen - Ist das wirklich euer Ernst?

01.03.2013GrinReaper

GrinReaper

Ist das wirklich euer Ernst?

Eigenvertrieb (2012, CD)

Bereits Ende letzten Jahres hat „Ist das euer Ernst“, das Album der hannoverschen Band GrinReaper das Licht der Welt oder alternativ das Dunkel der Nacht erblickt.

Live setzen GrinReaper auf Rock-Theater-Elemente, auf Rock´n´Roll Zirkus mit viel Trubel, Heiterkeit und Stimmung, inklusive Sensenmann, Wesen im Fell am Schlagzeug oder Geldschein-Regen in den Clubs. Wie kann Musik, die in der Konzertsituation von einigen optischen Reize unterstützt und geprägt wird, sich auf CD durchsetzen?

Sehr gut und weniger gut. GrinReaper, die musikalisch dunklen Elektro- New Wave, Minimal-Synthie-Pop Rock, Metal und Spaß-Metal auf recht charmante und individuelle Weise zu einem eigenen Stil verbinden, waren mit 15 Tracks auf diesem Album recht großzügig. „Ist das euer Ernst?“ ist ein liebevoll gemachtes Album, das nicht zuletzt mit einigen Interludes und witzigen Einspielern in den Songs einen gewissen Konzeptcharakter hat.

Verhältnismäßig gewöhnungsbedürftig ist die Produktion dieser Platte, die eher nach Demo, Bootleg oder Homerecording als nach wirklich professioneller Studio-Produktion klingt. Je nach Abspielgerät, sind die -wirklich hörenswerten und für die Songs scheinbar auch essenziell wichtigen Texte nicht immer gut verständlich. Mindestens mit Konzentration, Kopfhörer und Booklet, geht es dann aber, nichtsdestotrotz würde man der Band beim nächsten Mal professionelle Aufnahmebedingungen und einen transparenten Mix wünschen.

Bemerkenswert ist, dass auf diesem Album statt Schlagzeug ein Drum-Computer zum Einsatz kommt, ansonsten dominieren Synthesizer, Samples und eine fies-fette Metal-Rhythmusgitarre und ein unterschiedlich verfremdeter bis auch mal cleaner Gesang das Klangbild. Nach einem zeitweilig durchwachsenen Einstieg (Hervorragend jedoch der Titeltrack), erreicht das Album mit zunehmender Hördauer richtige Höhepunkte. Spätestens ab Track 9 kommen sie dann, die eingängigen, tanzbaren, durch sehr viel Wortwitz und Sprachkunst geprägten Songs wie „Nachbarschaftskäufer“, „Anpassionata“ „Unser Niveau“ und „Sanitöter“, die zum Teil schon Klassiker der Hannoveraner sind.

Musik mit Humor, teilweise dunklem, aber nie wirklich bösem Humor. Songs, die Themen mitten aus der Gesellschaft aufgreifen, sie verzerren, durchschütteln, überdehnen um sie schließlich mit einem breitem Grinsen den Hörern vor die Füße oder an den Kopf zu werfen. Das Album zu hören ist teilweise wie eine Geisterbahnfahrt, mal vorhersehbar, mal ein wenig langweilig und dann wieder herzerfrischend unterhaltsam und lustig. Angepasst sind GrinReaper schon gar nicht.

Wohlgesonnene Hörer können die Platte von ihrer Aufmachung und dem Klang auch als sympathisch aufgemachtes Underground-Produkt wahrnehmen, das möglicherweise irgendwann eine begehrte Rarität sein wird. Bands wie DAF, Trio , Ideal oder richtige Underground-Acts hätten vor mehr als 30 Jahren so ein Album vielleicht in Windeseile als Musikkassette in streng limitierter Auflage ausverkauft.

Das Album kann über die Website von GrinReaper bestellt werden.


Andreas Haug
(6 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.grinreaper.de

Weitere oder ähnliche CD/DVD-Besprechungen:
GrinReaper - Einfach in die Menge schießen (2015)
© Copyright: Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Weitere Infos + Nutzungsbedingungen im Impressum
Zur Übersicht Zur Startseite