Gehört und Gesehen - I

10.01.2013Giant X

Giant X

I

Steamhammer / SPV (2013, CD)

Hinter Giant X stehen Running-Wild-Sänger Rolf Kasparek, unter Fans besser als Rock´n´Rolf bekannt und der Gitarrist, Songschreiber, Arrangeur und Produzent Peter „PJ“ Jordan. „I“ ist der schlichte Titel ihres Albums, das am 18.Januar auf den Markt kommt und zu unterschiedlichen Reaktionen wie Stirn- in- Falten- legen und Schmunzeln oder Lachen und Strahlen führen dürfte.

Nein, das Album ist nicht ein längst vergessener Relikt, dass zwischen 1985 und 1990 als verschollen gemeldet und jetzt ausgegraben wurde, es ist tatsächlich eine aktuelle Produktion aus dem Jahr 2012, auch wenn man es zunächst kaum glauben mag.

Rock´n´Rolf und Peter Jordan lassen hier in aller Konsequenz, mit großer Spielfreude und auch großem Können den melodischen Hard´n´Heavy Rock wieder aufleben, wie er vor rund 25-30 Jahren Hochkonjunktur hatte, und von manchen Bands sogar in Großarenen und Stadien zelebriert wurde.

Konjunktur hin oder her, Giant X präsentieren sich künstlerisch kompromisslos sozialisiert und platziert und lassen sich nicht von Entwicklungen der letzten 20 Jahren irritieren. Produktionstechnisch sieht das schon anders aus, da gibt es bei einigen Songs auch mal einige elektronische Gimmicks, insgesamt ist das Klangbild durchaus modern, brillant und knackig.

Kernige Gitarrenriffs, filigrane Soli, kompakte stimmige Songs, kerniger Rock´n´Roll Gesang von zwei arrivierten Genre-Veteranen, die mit dieser Platte oft vitaler herüberkommen, als einige vermeintlich große Namen der 80er-Hard´n´Heavy-Ära mit ihren heutigen Stehversuchen.

Man muss diese Musikrichtung mögen, so stark sie sich auch-trotz fehlender Keyboardteppiche- nach „Vorgestern“ oder nach „Noch länger her“ anfühlen mag, sonst könnte der Hörer Verständnisschwierigkeiten haben. „I“ und Giant X ist reine Pflege alter Zeiten, Musik, die in erster Linie Erinnerungen an die eigene Jugend der Musiker und die ihrer Hauptzielgruppe wach rufen wird.

Melodischer Hardrock, der in Songs wie „Now Or Never“ oder „Don´t Quit Til Tomorrow“ auch schon mal in Richtung Rock-Schlager geht oder sich, wie in „The Count“, zum Party-Schunkel-Ohrwurm-Hit, geeignet für jedes Classic-Rock-Party-Zelt, hochschraubt. Eine Feuerzeugballade wie „Nameless Hero“ mit deutlich kitschigen Akzenten hätte auch gut für den Soundtrack zum US-Blockbuster „Top Gun“ getaugt.

Vielen Fans der so genannten „alten Schule“ wird sicher auch „Go 4 It“ Glücksgefühle bereiten. Besser kann man griffigen und straighten 80er Kopfnicker-Rock´n´Roll wohl kaum machen.

Eine Platte, die wirkt, als sei sie unter dem Motto „Musik soll Spaß machen – Zeitgeist wird nie unser Ding sein“, entstanden.


Andreas Haug
(5 / 10 Pkt.)

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