Gehört und Gesehen - GRRR!

17.11.2012The Rolling Stones

The Rolling Stones

GRRR!

Universal Music (2012, 3CD)

Zum 50-jährigen Bandjubiläum eine „Best-Of“-Compilation von The Rolling Stones. Drei CDs mit Klassikern und zwei brandneuen Studiosongs – das mag für langjährige Rockfans zunächst einmal mäßig spektakulär klingen.

Die kritischen Musikhörer mögen von reiner Geldmacherei sprechen und gleichzeitig die Frage in den Raum werfen, wer so ein Album überhaupt braucht. Reaktionen wie diese auf Ton-und Bildträger-Veröffentlichungen von Weltstars, zumal im November, wenn das Weihnachtsgeschäft langsam aber sicher in Gang kommt, sind nichts Neues.

„GRRR!“ deckt -in der Standardausgabe über drei CDs verteilt- in zeitlich chronologischer Abfolge, die signifikanten Phasen der beispiellosen Karriere der Rolling Stones ab, angefangen von der ersten Single „Come On“, einer Interpretation eines Chuck-Berry-Songs, bis hin zu den beiden brandneuen 2012er-Aufnahmen „Doom And Gloom“ und „One Last Shot“, die übrigens stilistisch und von der Machart so perfekt ins Bild passen, dass sie als ganz neue Songs nicht wirklich auffallen: Typisch Stones – verlässlich und solide.

Insgesamt 50 Songs haben Platz auf den drei CDs von „GRRR!“, in einer speziellen „4CD Super Deluxe Version“ umfasst das Jubiläumsalbum sogar 80 Songs.

Klassiker wie „(I Can Get No) Satisfaction“, „Honky Tonk Woman“, „Brown Sugar“, „Sympathy For The Devil“, „Get Off Of My Cloud“, „Under My Thumb“, „Ruby Tuesday“ , „Jumping Jack Flash“ oder „Start Me Up“ sind hier in neu gemasterten, qualitativ sehr ansprechenden Fassungen vertreten, eigentlich fehlt auf „GRRR!“ kein einziger der bekannten Stones-Songs von den viele zu großen Hits wurden.

Nun hat es schon zahlreiche Compilations und Live-Alben der Band gegeben, auf denen man diese Songs auch findet, wer aber ein kompaktes Sammel-Album der Rolling Stones sucht, das so gut wie gar keine Wünsche offen lässt, ist mit „GRRR!“ sehr umfassend und gut bedient.

Speziell für etwas jüngere Musikhörer, die die Stones für sich entdecken wollen, ist „GRRR!“ sehr lohnenswert. Fast schon faszinierend zu hören, wie originell die Band vor allem in den Sechzigern und frühen Siebzigern ihre Songs arrangierte, spielte und aufnahm, wie lebendig die Musiker agieren.

Echte Bläser, echte Streicher, echte Percussions, Chöre, extravagante, kurze Gitarrensoli, trockene, schmutzig und organisch klingende Riffs, ein lässiger, gefühlvoller, intensiver Gesang von Mick Jagger – man mag sich als Hörer mitten im Studio wähnen und die Band beobachten, wie sie aus einer lockeren Jam-Situation in ihre Songs einsteigt, wie sie es teilweise schafft, durch sehr sparsames, akzentuiertes Spiel der Einzelakteure, enorm zu grooven, eine fesselnde Atmosphäre zu schaffen und damit auch richtig „cool“ zu klingen.

Superlative rund um diese Band scheinen -das zeigt „GRRR!“ über weite Strecken sehr deutlich – angebracht. Die teilweise mehr als 40 Jahre alten Aufnahmen setzen auch aus heutiger Sicht immer noch Maßstäbe.

Ein wenig umfangreicher und informativer hätte das beiliegende Booklet ausfallen können. Einige historische Schwarzweiß-Aufnahmen aus den frühen Jahren wirken charmant, etwas mehr hätte es hier aber ruhig sein dürfen.


Andreas Haug
(8 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.rollingstones.com

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