Gehört und Gesehen - The Velvet Underground & Nico

03.11.2012The Velvet Underground & Nico

The Velvet Underground & Nico

The Velvet Underground & Nico

Universal Music (2012, 2 CD)

Wenn es um wegweisende Alben und einflussreiche Bands der Rockgeschichte geht, dann wird des Öfteren auch die Band The Velvet Underground ins Feld geführt. Unter dem Titel „The Velvet Underground & Nico“ entstand in den Jahren 1966 und 1967 ein sehr geschichtsträchtiger Longplayer, dessen Cover das Bild der von Andy Warhol kreierten Banane ziert.

Anlässlich des 45-jährigen Jubiläums der Erstveröffentlichung dieser Platte brachte Universal/Polydor Ende Oktober 2012 „The Velvet Underground & Nico“ in sage und schreibe sechs verschiedenen Versionen, restauriert und remastert neu auf den Markt.

Musikalisch geht es grob zusammengefasst um Rock mit avantgardistischer, experimenteller und psychedelischer Note. Nico, die hier bei einigen Stücken singt, wurde als damaliges Model mit ins Boot genommen, um dem Projekt etwas Glamour zu verleihen.

Das Album wird in der Regel als düster charakterisiert, wirkt aber über weite Strecken durchaus angenehm eingängig. Speziell dann, wenn Sänger und Leadgitarrist Lou Reed in sehr relaxter und lässiger Art einige Rock´n´Roll Stücke, wie das bekannte „Waiting For The Man“ aus dem Ärmel schüttelt. Die Produktion ist -typischer Sechziger- recht trocken und warm, das Album zu hören kann zuweilen sehr entspannend sein, man kann sich fallenlassen und träumen.

Dies ist aber nur eine Facette von „The Velvet Underground & Nico“, denn die Band kann auch anders, dann, wenn sie, wie etwa in „European Son“, eckig und verschroben musiziert und hier dann tatsächlich eine sehr eigenwillige, düstere Atmosphäre schafft. Dissonanzen, ob von Gitarren oder John Cale´s Viola sind ebenso charakteristische Elemente des Velvet-Underground-Sounds.

Ab Mitte der 1960er-Jahre haben einige Musiker ihre Kunst auch unter Drogeneinfluss ausgeübt, einige Hörer Songs und ganze Alben ebenfalls unter dem Einfluss entsprechender Substanzen genossen. Musik sollte nicht nur gehört sondern „erfahren“ werden, für einige taten sich neue Horizonte auf, für andere waren manche Arrangement-und Soundexperimente im Ergebnis schlichtweg schräg und wenig bis kaum erträglich.

In diesem Spannungsfeld bewegt sich über einige Passagen auch „The Velvet Underground & Nico“. Die vorliegende Deluxe-Version hält neben den elf Original-Songs noch alternative Versionen und auf CD 2 noch Studio-Sessions aus dem Frühjahr 1966 und bislang unveröffentlichte Proberaum-Mitschnitte bereit – für die ganz eingefleischten und interessierten Fans.

Sehr gelungen das Digipack mit einem feinen Booklet mit vielen Informationen rund um die Band und die Entstehung des Albums, illustriert mit historischen Schwarzweiß-Fotos.

Künstlerisch hochinteressant und spannend auf der einen Seite, gleichzeitig zuweilen sehr schräg und nicht für jeden zugänglich. Im musikhistorischen Kontext Pop-und Rock definitiv ein berühmtes und wichtiges Album, das für verhältnismäßig breit aufgestellte Musikliebhaber wohl ebenso in die Plattensammlung gehört, wie „Sergeant´s Peppers“ von den Beatles oder „Pet Sounds“ von den Beach Boys.


Andreas Haug
(8 / 10 Pkt.)
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