Gehört und Gesehen - Slave To The Empire

03.11.2012T & N

T & N

Slave To The Empire

earMusic / Edel (2012, CD)

Er ist scheinbar nicht unterzukriegen der Heavy-Rock-und -Metal im 1980er- und Früh-1990er-Gewand. Zumindest für drei Mitglieder der Band Dokken nicht, für George Lynch, Mick Brown und Jeff Pilson, die hier mit zeitweiliger und punktueller Unterstützung einiger illustrer und namhafter Musiker wie unter anderem Brian Tichy, Sebastian Bach, Doug Pinnick, Robert Mason oder Tim „Ripper“ Owens das Album „Slave To The Empire“ eingespielt haben.

Das Ganze läuft unter dem Projektnamen T & N, angelehnt an das kommerziell erfolgreiche Album „Tooth And Nail“, das die Band Dokken 1984 veröffentlicht hatte.

Zwölf Songs sind auf „Slave To The Empire“ enthalten, davon vier Remakes von Dokken-Songs (darunter „Tooth And Nail“)und acht brandneue Kompositionen vorwiegend aus der Feder von Lynch & Pilson.

Für Fans und Anhänger einer in der breiten Öffentlichkeit inzwischen weitgehend verblassten Ära mögen die Referenzen der musikalischen Gäste beeindrucken und Appetit auf dieses Album machen. Da fallen Namen von Bands wie Foreigner, Iced Earth, Whitesnake, Skid Row, Judas Priest oder Skid Row.

Dass renommierte Musiker allein nicht automatisch für ein originelles Album garantieren, zeigt „Slave To The Empire“ auf im Einzelfall ziemlich deutliche Weise.

Als hätte sich die Musikwelt vor 20, 25 Jahren aufgehört zu drehen, wird hier ein abgestandener Aufguss von Heavy-Riffs und Songstrukturen angeboten, die man schon in den hintersten Ecken des Rockmuseums gewähnt hatte.

Traditionen zu pflegen ist eine Sache, was hier jedoch musikalisch passiert, ist zeitweise schon unangenehm ausgelutscht. Lynch und Pilson wirken in puncto Songwriting und Umsetzung hier weder besonders kreativ noch inspiriert.

Wie frisch auf älteren Wurzeln basierende Rockmusik auch 2012 klingen kann, machen dagegen Bands wie Black Country Communion vor, T & N dagegen wirkt wie ein beliebiges oberflächliches Projekt, zu dessen Umsetzung man mal eben ein paar Musiker eingeladen hat, in Sachen Namedropping mit breiter Brust auftritt, und schnell ein paar Songs einspielt, ein an Nicht-Originalität kaum noch zu toppendes Plattencover zusammenstrickt und das Ganze lieblos auf den Markt wirft.

Wenn Sänger wie Robert Mason, Tim „Ripper“ Owens oder Sebastian Back hier als musikalische Gäste den Leadgesang übernehmen, geht das noch in Ordnung. Die Stärken von Bassist Jeff Pilson hingegen liegen sicher ganz woanders, nur nicht ansatzweise am Gesangsmikrofon.

Ein von wenigen kleinen Lichtblicken, wie der spieltechnischen Qualität abgesehen, enttäuschendes, langweiliges und eintöniges Album, das möglicherweise nur bei ganz eingefleischten Fans und Traditionalisten Anklang finden dürfte, aber auch das darf bezweifelt werden. Dann lieber nochmal die Klassiker aus den Achtzigern im Original hervorkramen und auf die alten Zeiten anstoßen.


Andreas Haug
(3 / 10 Pkt.)
© Copyright: Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Weitere Infos + Nutzungsbedingungen im Impressum
Zur Übersicht Zur Startseite