Gehört und Gesehen - Monster

18.10.2012KISS

KISS

Monster

Universal Music (2012, CD)

Herrlich. Da sitze ich hier und darf eine Rezension über die Helden meiner Jugend schreiben. Durch meinen älteren Bruder wurde ich sobald ich laufen konnten mit allerlei 70er und 80er Rockstoff versorgt, da durften Kiss (bei uns nur liebevoll „die Jungs“ genannt) natürlich nicht fehlen. Fasziniert hat mich bei dieser Band schon immer, wie man aus so wenig so viel machen kann. Denn musikalisch waren Kiss nie mehr als eine durchschnittlich talentierte Band. Sich selbst aber so einen Kultstatus und Image zu kreieren, dafür muss man Respekt empfinden.

Nachdem also als Sechsjähriger auf dem Sofa zu „Creatures Of The Night“ oder „Lick It Up“ rumgesprungen wurde, durfte ich die Herren insgesamt auch dreimal live bewundern. Zweimal davon war es eine großartige Show! Einmal durften aufgrund der niedrigen Halle keine Pyros gezündet werden und da war es wie Sylvester ohne Böller und mit alkoholfreiem Sekt. Wobei der damals noch aktive Herr Frehley eher nach „mit Alkohol“ aussah und spielte. Das war enttäuschend, peinlich und schlimm.

Aber genug von meinen persönlichen Eindrücken zur Band. Womit haben wir es auf diesem Album zu tun? Wenn man den Titel „Monster“ hört bekommt man schon ein wenig Angst. Allerdings eher aufgrund der platten Namensgebung. Der Opener „Hell Or Halleluja“ knüpft da nahtlos an. Dennoch ist die Single der mit Abstand beste Song der alle Stärken von Kiss zusammenfasst. Griffiger Chorus, gute Licks: Ein guter, straighter Rock´n Roll Song. Frontmann Paul Stanley tritt mit typischem „Mackergehabe“ allerlei „Hey Hey´s“ und „Come on´s“ auf und anders will man das als Fan eigentlich auch nicht haben.

Gene darf bei „Wall Of Sound“ die Leadvocals bedienen, auch hier stimmt noch vieles. Leider kann keiner der folgenden Songs diesen Standard halten. Es wird erschreckend deutlich, wie sehr „den Jungs“ ein Songschreiber fehlt, der Hits kann. Wo sind die Desmond Childs oder Bob Ezrins wenn man sie braucht?

Musikalisch geht das Album aber vollkommen in Ordnung. Die „neuen alten“ Mitglieder Eric Singer (Drums) und Tommy Thayer (Lead Gitarre) liefern gute Arbeit ab und durften sogar ein bisschen mitschreiben und auch mal singen. Dass Simmons und Stanley Songanteile freiwillig rausgeben sieht ihnen gar nicht ähnlich. Kiss liefern für Fans jeder Dekade was: „Eat Your Heart Out“ geht in die „Rock´n Roll all Night“ Richtung, „Long Way Down” könnte auf “Unholy” sein und auch die Freunde des 80er Kiss Sounds werden bedient.

Leider ohne gute Hooklines. Kein Refrain kann wirklich zünden und ein „Monster“ bilden die zwölf Tracks in keinem Fall. Live wird das Album wahrscheinlich dennoch eine ganz gute Resonanz erfahren, denn rocken tut´s ja. Und mit ein bisschen Bumm Bumm, Blutgespucke und übers Publikum fliegen wird das schon.

Dennoch ist ein bisschen wie mit einem lahmenden Gaul. Sollte man ihm lieber den Gnadenschuss geben oder weiter humpeln lassen? Ich sage: Lasst ihn weiterhumpeln, auch im langsamen Trab. Aber wenn’s noch mal Galopp werden soll, sollte jemand von außen mal ein paar gute Ideen beisteuern.

Fazit: „No Ballads, No Fillers“ – No Hits.


Jan Hagerodt
(6 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.kissonline.com

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