Gehört und Gesehen - The 2nd Law

06.10.2012Muse

Muse

The 2nd Law

Warner Music International (2012, CD)

Auf kaum ein Album dürfte die Muckergemeinde länger gewartet haben. Wer diese Band nicht mochte oder nicht zu seinen Vorbildern zählte, der galt gemeinhin als „unmusikalisch“, „ahnungslos“ oder war einfach zu alt. Also immer schön gut finden!

Mein Verhältnis zu Muse war schon immer von zwei Seiten geprägt. Dieses Riesentalent und der Blick nach Vorn, den das Trio innehat, begeisterten mich schon immer. Auf der anderen Seite fand ich´s auch oft zu extravagant, „aufgekitscht“ und manchmal einfach nur anstrengend. „The Resistance“ hatte mich 2009 vom Stuhl gefegt, insofern höre ich dieses Album dennoch mit großer Erwartungshaltung.

Die Presseinfo gibt preis, dass die Jungs bei diesen Aufnahmen sich sehr frei bewegen konnten und auf enge stilistische Beschränkungen einen dicken Haufen gesetzt haben. Es klingt sogar fast so, als hätten die Mannen Spaß beim Aufnehmen gehabt! Als Beispiel darf man Track 3 „Panic Station“ anführen. Fast schon funky, mit Bläsersatz, groovigem Bass und 80er Jahr INXS Snare Drum. Wenn man vergisst, dass man Muse hört, macht dieser Song sogar richtig Spaß.

Und genau dieser Punkt ist entscheidend. Es gibt großartige Kompositionen unter den 13 Tracks, von denen viele allerdings mit den alten Stärken der Band brechen. Fans der ersten Stunde werden irritiert sein. Und vielleicht ist es genau das was Matt Bellamy und seine Jungs erreichen wollten. Dieses Album ist positiv gesehen kein Stillstand. Ob´s denn aber eine wirkliche Weiterentwicklung ist kann nicht klar mit Ja oder Nein beantwortet werden.

Für mich ist „The 2nd Law“ häufig eins: Orientierungslos. Es fehlt ein Aufhänger, ein Thema, ein verbindendes Gefühl. Knattern einem bei „Unsustainable“ geniale Soundeffekte um die Ohren, gepaart mit „John Williams Star Wars Streichern“, so erwartet einen bei „Madness“ Queen Anfang der 80er. Im nächsten Moment steht man mit ´nem Hugo´s auf ´ner House-Party im Strobo-Gewitter, bevor Bono in Lederjacke und Sonnenbrille um die Ecke schielt („Follow Me“). „Animals“ transportiert noch am ehesten das typische Muse Gefühl. Großartiger Song mit hypnotischem Aufbau.

Sollte man dieses Album jetzt kaufen? Keine Ahnung. Aber ein Probehören hilft auf jeden Fall nicht weiter. Entweder ganz oder gar nicht. Eine gute Bewertung hat dieses Album aufgrund der großen kreativen Leistung verdient. Wenn es auch manchmal einfach zuviel ist. Ein bisschen reduzierter, ein bisschen weniger Blitzlicht und nicht zuletzt ein bisschen mehr Gitarre dürften sich viele wünschen.

„The 2nd Law“ ist zu Beginn verstörend, aber man beginnt es mit jedem Hördurchgang mehr zu lieben ohne das zu verstehen. Vielleicht einfach, weil es am Ende des Tage gegen verquere Rhythmik, progressive Songstrukturen und abgefahrene Ideen immer einen Sieger gibt. Und der heißt Melodie.

Fazit: Exzentrisch, bunt, selbstverliebt, genial und manchmal nur „too much“.


Jan Hagerodt
(7 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.muse.mu

Weitere oder ähnliche CD/DVD-Besprechungen:
Muse - The Resistance (2009)
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