Gehört und Gesehen - Ich kann fliegen

13.09.2012Ich Kann Fliegen

Ich Kann Fliegen

Ich kann fliegen

Universal Music (2012, CD)

Nun hat das Quengeln der Fans der Band Ich Kann Fliegen ein Ende: Das Debütalbum, schon seit rund anderthalb Jahren weitestgehend im Kasten, wird ab dem 14.September 2012 nun auch tatsächlich der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Aus dem reichen Fundus der nun auch schon mehr als sechs Jahre andauernden Karriere von Ich Kann Fliegen wurden zwölf Songs für „Ich kann fliegen“ ausgewählt, Lieder wie „Abenteuer“, „Uns gehört die Welt“ oder „Achtung Traumwelt“, die man schon als Klassiker der Emo-Pop-Rock-Band bezeichnen kann sind dabei, ebenso einige Pop-Songs neueren Datums und „Mich kann nur Liebe retten“, der Beitrag der Hannoveraner zum Bundesvision Songcontest 2012.

Die Band offenbart hier zwei Seiten. Da gibt es packenden, druckvollen Pop-Rock mit leichtem Punk-Pop-Einschlag, da wird aber auch sehr gefälliger, eingängiger und an den Massengeschmack angepasster Pop geboten. Wurden in den ersten Jahren in puncto Songs und Sounds Referenzen wie Madsen, Saves The Day oder auch Jimmy Eat World ins Feld geführt, können jetzt Acts wie Pur, Nena, Ich + Ich oder Silbermond als Orientierungshilfe für Neueinsteiger in das Thema Ich Kann Fliegen genannt werden.

Großes Gefühlskino mit freundlicher, kuscheliger und wenig dramatischer, oft sehr melodischer Musikuntermalung - das ist aktuell offenbar angesagter denn je. Ich Kann Fliegen nehmen hier in den vorderen Reihen Platz. Zuckersüße Ohrwurm-Balladen wie „Es ist nicht vorbei“ oder „Keine Lieder über Liebe“ oder Kopfnicker-und Schunkel-Pop-Rocker wie „Es kommt, es geht, es bleibt“, wirken wie geschickt kalkuliert, zielführend und marktkonform inszeniert und dürften eine große Zahl von Hörern begeistern, viele aber auch vergraulen, denn allzu aufgesetzt wirkt das zeitweise, was die Band hier bei einigen, vor allem den neueren Songs und Texten anbietet.

Dann ist da aber auch ein Pop-Balladen-Juwel wie „Es ist nicht vorbei“, mit dem Ich Kann Fliegen ihre kompositorischen Stärken ausspielen und nicht nur den nah am Wasser gebauten Hörern schnell Tränen der Rührung in die Augen treiben dürften.

„Ich kann fliegen“ darf als gutes Beispiel dafür herhalten, dass sich massentaugliche, kommerzielle Popmusik in Deutschland in den letzten Jahren oder gar Jahrzehnten inhaltlich nur wenig bis kaum entwickelt oder verändert hat. Wo sich vor rund 20 Jahren Hartmut Engler und seine Mannen von Pur fragten, wo denn all die Indianer hin seien und dafür plädierten, dass Drachen fliegen sollen, stellen Ich Kann Fliegen im Jahr 2012 fest, dass das liebgewonnene Baumhaus inzwischen einem Supermarkt gewichen ist und bitten darum, einfach mal die Zeit anzuhalten, und wenn es nur für zwei Wochen ist.

Neue Gesichter, alte Geschichten. Unvergänglich, unverwüstlich.


Andreas Haug
(7 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.ichkannfliegen.de
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