Gehört und Gesehen - Aus Liebe zum Geld - Ihre schönsten Misserfolge

13.07.2012Excrementory Grindfuckers

Excrementory Grindfuckers

Aus Liebe zum Geld - Ihre schönsten Misserfolge

Eigenproduktion (2012, CD)

Bei den hannoverschen Metal-/Grindcore-Spezialisten Excrementory Grindfuckers ticken die Uhren anders als bei anderen Musikgruppen, wenn sie sich nicht sogar komplett in Gegenrichtung bewegen. Eine Best-Of-Platte zum zehnjährigen Bandbestehen, das kennt man im Rockbusiness, die Excrementory Grindfuckers haben elf Jahre ins Land gehen lassen, um im Frühjahr 2012 ihr „Worst-Of“-Album „Aus Liebe zum Geld – Ihre schönsten Misserfolge“ in die Öffentlichkeit zu bringen.

Zwei neue Songs und viele Neuinterpretationen von Grindfuckers-Stücken sind auf diesem Album verewigt. Alles in allem 37 Tracks. Ein reich bebildertes Booklet liegt ebenso bei, wie eine aktuelle Ausgabe des in unregelmäßigen Abständen erscheinenden Boulevard -Blattes „Grind Hannover“. Bei der Lektüre der aktuellen „Grind“-Ausgabe, bekommt man einen nur kleinen, aber nicht minder intensiven Einblick in Alltagssituationen der Bandmitglieder. Dieser Alltag ist offensichtlich von stetigen und größeren Problemstellungen geprägt und bietet scheinbar nur wenige Lösungsansätze.

„Grind“ ist der Band aus Hannover schon länger auf den Fersen und drückt im Rahmen einer enthüllenden, schonungslos offenen Berichterstattung die Gruppe und/oder einzelne Mitglieder an den Rand der Gesellschaft, auf die Schattenseite des Lebens oder beides. Dass es den Musikern unter diesem Mediendruck oft nur möglich ist, auf konspirative Weise ihre Musik zu schreiben und in aller Eile aufzunehmen, wird da schon fast offensichtlich.

Trotz allen Widrigkeiten haben es die Excrementory Grindfuckers, die laut aktueller Informationen auch als die „fünf Antihelden des Postgrindcore“ wahlweise in das Licht und das Dunkel der Öffentlichkeit treten, in den letzten elf Jahren geschafft, Lieder wie „Back In Anal Territory“, „Malen nach Zahlen“, „Picknick im Zenit metaphysischen Widerscheins der astralen Kuhglocke“, „Inkognito im Streichelzoo“ oder „I Don´t Wanna Sound Like Korn“ zu komponieren und aufzunehmen.

„In der Kürze liegt die Würze“- wenn diesen Spruch eine Band beherzigt, ist es diese Band aus Hannover. Zeitweilig kommt man sogar mit nur etwas mehr als 10 Sekunden aus, um die jeweilige musikalische Botschaft umfassend an den Hörer zu bringen.

Diese Compilation ist trotz der hohen Anzahl an Stücken (oder gerade deshalb) sehr kurzweilig, Einspieler oder Intros sorgen für so manchen Lacher und nicht zuletzt die Musik und die Texte im Ein-oder Missklang.

Ob nun Pre-oder Post-Grindcore, Fun-Metal oder einfach nur an härtere Rockmusik in teilweise extremer Spielart erinnernde Sammlung von elektro-akustischen Signalen – die Band wirkt allen Berichten in „Grind Hannover“ zum Trotz inspiriert und frisch. Das Programm ist witzig und nicht albern.

So extrem auch Sounds und Geräusche auf den unerfahrenen Anwender zunächst wirken mögen, so kann es passieren, dass dieses Album länger im CD-Player rotiert, als man es zunächst für möglich gehalten hätte.

Mit dieser Album-Veröffentlichung haben die Exrementory Grindfuckers einen weiteren Meilenstein deutscher Subkultur fallen lassen.


Andreas Haug
(9 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.grindfuckers.de

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