Gehört und Gesehen - Well Behind The Schedule

13.07.2012Keziah

Keziah

Well Behind The Schedule

Artist Station / Soulfood (2012, CD)

Etwas mehr als 20 Jahre später als mal vorgesehen, ist Ende Juni 2012 das Debütalbum der hannoverschen Rockband Keziah erschienen. „Well Behind Schedule“ ist in diesem Zusammenhang auch mit einem größeren Augenzwinkern zu verstehen. Keziah um Sängerin Sandra Barclay und Gitarrist Kai Ulrich gründete sich ursprünglich Ende der 1980er-Jahre, trennte sich aber nach der Produktion des ersten Demos.

„Well Behind Schedule“ bietet eine stilisch abwechslungsreiche Mischung aus Rock, Hardrock, Pop-Rock bis hin zu Singer-Songwriter-Style. Zuweilen blickt man auch mal in Richtung Folk oder Metal. Knackiger Old-School-Riff-Rock und verträumte Stadion-Rock-Balladen zum Wunderkerzen zündeln sind hier zu finden, viele feine wie eingängige Melodien ziehen sich durch die zehn Songs, die oft durch den Kontrast von Sandra Barclay´s klarer, heller und gefühlvoll eingesetzter Gesangstimme und das sehr dominante Gitarrenspiel geprägt sind.

Das Album erinnert an Aufnahmen von Hardrock-Bands wie sie auch in Hannover zwischen zirka 1988 und 1991 stattgefunden haben. Man kann es -positiv betrachtet- roh, energetisch und ungeschliffen nennen, kritisch und aus der Perspektive 2012 gesehen, ist die Platte produktionstechnisch an einigen Stellen auch etwas ungehobelt und unrund.

„Well Behind Schedule“ wirkt weniger wie ein homogenes, ausproduziertes Werk einer Band, sondern vielmehr wie ein Hard´n´Heavy-Rock- Gitarristen-Projekt, zu dem am Ende noch weiblicher Gesang hinzugefügt wurde, der an einigen Stellen des Albums vergleichsweise wenig Raum zur Entfaltung hat, sei es durch die zeitweise sehr in den Vordergrund gemischte Gitarre (n) oder durch die alles andere als sparsam geratenen Arrangements des Instruments.

Aus Gründen der Songdienlichkeit wäre weniger hier sicher oft mehr gewesen, die Kunst von eindrucksvoller und ausgereifter Bandmusik liegt oft im Weglassen, im sich Zurücknehmen und damit im Schaffen von Räumen, da muss nicht immer und überall eine Gitarre ein Lick in jede vermeintliche Lücke setzen und demonstrieren, was so alles geht auf dem Instrument.

Anderseits können sich Rock-und Heavy Rock-Freunde, die es mit Bands wie Foreigner, Saga, Toto, Aerosmith oder Van Halen und dort besonders mit der Gitarrenarbeit halten, über ein echtes Feuerwerk an Riffs, Fills oder Soli freuen, das Kai Ulrich technisch versiert und kraftvoll abbrennt.

Insgesamt wirken die Musik und die Produktion der Platte wie ein Relikt aus längst vergangen geglaubten Tagen, aber unsympathisch ist das deshalb noch lange nicht. Manchmal müssen begonnene Projekte einfach mal umgesetzt und abgeschlossen werden. Das haben Keziah hiermit geschafft.


Andreas Haug
(4 / 10 Pkt.)

Mehr:
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