Gehört und Gesehen - Americana

07.06.2012Neil Young & Crazy Horse

Neil Young & Crazy Horse

Americana

Warner Music Group (2012, CD)

Seit 2003 haben Neil Young & Crazy Horse kein gemeinsames Album mehr auf den Markt gebracht, da könnte man meinen, dass nach so langer Pause etwas Besonderes auf den Hörer zukommt.

Besonders ist die Idee von „Americana“. Klassiker aus dem großen Fundus amerikanischen Folk-, Protest- und Lagerfeuer-Songs wurden von Young & Band in speziellen vollverstärkten Versionen neu eingespielt.

Legt man die CD ein und lauscht den ersten Geräuschen, wähnt man sich in einem miefigen Proberaum in dem diverse Musiker ihre Instrumente testen, ein wenig herumschrammeln um dann fast zufällig in den Opener-Song „Oh Susannah“ hineinzurutschen. Der Sound ist rau, schmutzig, besonders die Gitarren agieren an der Feedback-Grenze, Oberton-Clippings inklusive.

Die Band schleppt sich extrem lässig durch das Album, groovt und rollt wie eine riesengroße schwere Dampflokomotive auf dem Weg quer durch das Land der angeblich unbegrenzten Möglichkeiten. Über allem weht Neil Youngs beinahe klagende Stimme.

Da werden Erinnerungen wach gerufen, dass Neil Young & Crazy Horse vor gut zwanzig Jahren auch von vielen jungen Bands der damaligen Grunge-Szene sehr verehrt wurden.

Der Woody-Guthrie-Klassiker „This Land Is Your Land“ erfährt eine spezielle Neil Young & Crazy-Horse-Behandlung, genauso wie Songs wie „Clementine“, das aus dem 18.Jahrhundert stammende „God Save The Queen“, das später zur Nationalhymne Großbritanniens wurde oder „Tom Dooley“. Letzteres leiern Young & Band fast müde und elendig langatmig herunter, dass man glauben könnte, die Musiker würden morgens um halb fünf eine Jam-Session am Rande des Woodstock-Festivals 1969 abhalten.

Das musikalische Treiben soll wohl cool wirken, die Idee ist gut gemeint, die Ausführung hingegen maximal mäßig. Wirklich frisch und inspiriert kommen Neil Young & Crazy Horse auf „Americana“ nicht herüber. Schade eigentlich, denn das liebevoll gestaltete Artwork samt Song-Book-Heftchen mit erklärenden Worten zu der Historie der Songs und deren Herkunft versprechen mehr, als die Musik hält.


Andreas Haug
(3 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.neilyoung.com
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