Gehört und Gesehen - Some Nights

07.06.2012Fun.

Fun.

Some Nights

Concord Music/Universal Music Germany (2012, CD)

Leises Piano eröffnet das Intro, der rote Vorhang geht auf, Beifall im Hintergrund. Die leise, zerbrechliche Stimme von Sänger Nate Ruess erklingt, Frauenchor im Hintergrund, triefende Theatralik. Wo ist man denn hier gelandet? In einem Musical? In einem Walt Disney Film? Weder noch. „Fun.“ nennt sich das Indie-Pop-Trio aus New York, die durch ihre Songplatzierung in der US-Kultserie „Glee“ das erste Mal auf sich aufmerksam machten. Von dem Punkt an wird von einer fantastischen Erfolgsstory gesprochen. Der Song „We Are Young“ dürfte vielen aus der Chevrolet-Werbung bekannt sein. Aber nicht abschrecken lassen – das ist eines der schwächsten Lieder auf dem Album. Wer es sowieso schon mag , umso besser!

Im Endeffekt könnten die Lieder perfekt der Soundtrack zu einem Disney-Zeichentrick sein. Also einem von den Alten. Den wirklich Guten. Da sieht man vor seinem geistigen Auge schon den Prinz und die Prinzessin, die ganz Disneytypisch mitten im Film ihre gemeinsame schöne Szene haben. Glühwürmchen fliegen umher, Vögel erheben sich in die Luft und die beiden Turteltäubchen spielen fangen auf einer Blumenwiese, um sich dann gemeinsam auf dem Boden zu wälzen und gleichzeitig einen Schwarm bunter Schmetterlinge aufwirbeln, die gen Sonne den Himmel empor schweben, während die Prinzessin und der Prinz verzückt um die Wette kichern. Echt kitschig. Aber eben auch irgendwie wunderbar.

An Instrumenten wird alles ausgepackt, was so in greifbarer Nähe ist: Gitarre, Schlagzeug, Bass, Piano, Blasinstrumente, Pauken, Keyboard, Glockenspiel. Hintergrundchöre und Geklatsche gibt es auch. Da wurden alle Register gezogen.In „It Gets Better“ werden Ansätze von Elektrobeats eingebaut, die angesichts der vorherigen Songs ziemlich fehl am Platz wirken, da die Beats nichts Ganzes und nichts Halbes sind. Entweder ganz oder gar nicht. Vielleicht auch einfach nur ein Versuch, auf der momentan angesagten Dubstep-Welle mitzusurfen. Aber das war zum Glück der einzige Ausrutscher auf dem Album. In „Some Nights“ wurde an einer Stelle nochmal unangenehmerweise ein ganz grauenvoller Effekt über die Stimme gelegt, das hätte man sich doch bitte auch sparen können. Die weiche, helle Stimme sollte nicht so entstellt werden, diese macht den Sound doch erst perfekt und wenn der letzte Ton des Bonustracks „Out On The Town“ erklingt, denkt man sich „Das war aber von allem ganz schön viel!“. Aber gerade das macht den Charme von Fun aus, eben herrlich kitschig und hervorragend, um sich in seine eigene kleine Disney- oder Musicalwelt zu träumen.


Hanna Rühaak
(8 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.ournameisfun.com
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