Gehört und Gesehen - Man müsste Klavier spielen können

31.05.2012Beatpoeten

Beatpoeten

Man müsste Klavier spielen können

Twisted Chords (2012, CD)

Wenn die ganzen „Elektro-Kids“ abends die Clubs unsicher machen, mit ihren neonfarbenen Sonnenbrillen (denn Sonnenbrille im Club ist ja bekanntlich „leider geil“), Jutebeuteln und Nike Air Max, feiern sie wahrscheinlich genau diese Art von Musik ab, wie sie die Beatpoeten fabrizieren. Und das ist nicht negativ gemeint.

Die Musik des Duos Egge und Carlos vereint teilweise sehr in den Hintergrund rückende, dennoch sehr groovige Elektrobeats mit Sprechgesang und erinnert an Bands wie Deichkind, Mediengruppe Telekommander und Die Goldenen Zitronen. Gitarre, Schlagzeug und Bass findet man auf der Platte nicht (ob daher wohl der Albumtitel rührt?) – hier stehen wohl in erster Linie die Lyrics im Vordergrund. Und diese entlocken einem nicht selten einen Schmunzler, wenn nicht sogar ein vergnügtes Kichern hinter vorgehaltener Hand.

Bei deutschen Texten muss man natürlich immer Obacht walten lassen. Aber die Beatpoeten machen textlich alles richtig: herrlich frisch, stets mit Witz und einer großen Portion Zynismus kommen sie daher und den Beatpoeten locker-flockig über die Lippen. Oft überkommt einem bei deutschen Texten ja ein gar unerträgliches Gefühl der Fremdscham. Da will man sich am liebsten ohne große Umwege von der Dornröschenbrücke in die Ihme stürzen, um dem Grauen schnellstmöglich zu entkommen. Aber nicht bei den Beatpoeten! Textlich wird alles abgegrast, was momentan Gott und die Welt (oder eher die Großstädter/deren Gegner) beschäftigt: Szenekids, Straight Edger, Vegetarier, vermeintlich tolerante Individuen, die vor lauter Individualität die Toleranz in die Ecke pfeffern und alle aus voller Brust im Chor „Wir sind alle individuell!“ schreien. Gepflegte Hiebe in die politische und generelle gesellschaftliche Magengrube gibt es hier und da auch. Facebook wird zeitgemäß auch auf´s Korn genommen. Das Ganze allerdings auf sympathische Art und stets mit einem Augenzwinkern.

Wer der elektronischen Musik nicht abgeneigt ist, sich an lyrischen Ergüssen erfreuen möchte, mal gepflegt das Tanzbein schwingen oder nur mit einer Club Mate in der Hand zu groovigen Beats den Kopf hin- und her wippen will, macht mit „Man müsste Klavier spielen können“ auf jeden Fall nichts falsch!


Hanna Rühaak
(8 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.beatpoeten.wordpress.com
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