Gehört und Gesehen - Quassar

24.05.20124 LYN

4 LYN

Quassar

Very Us Records / Edel (2012, CD)

Nach dem ersten Höreindruck hätte das hier eigentlich ein totaler Verriss werden müssen. Zu dick aufgetragen, zu „möchtegern-international“, stilistisch weder „Fisch noch Fleisch“, das alles waren meine ersten Eindrücke zu diesem Album.

„Quasar“ ist schon das sechste Album der Band, die um 2000 rum mit ihrer Mischung aus Crossover, Nu Metal und Alternative überraschenderweise aus dem Schatten der Erfolglosigkeit heraustraten. Das passiert in der Regel selten und fast immer mit Grund. Irgendwie waren 4LYN trotzdem nie die Könige ihrer Disziplin sondern immer ein bisschen wie der B-Promi ihres Genres. Vom alten Management getrennt ist „Quasar“ jetzt ein bisschen wie ein Befreiungsschlag und ein Aufbruch zu neuen Ufern.

Die vier Hamburger klingen zwar immer noch nach sich, elektronische Einflüsse und harte Beats haben aber deutlich an Einfluss gewonnen. Sicher wird das dem Schielen auf den aktuellen Markt geschuldet sein, doch wenn man sich ein wenig daran gewöhnt hat, nimmt man es der Band durchaus ab. Die Single „I Am A Phantom“ übertreibt´s dann allerdings doch ein wenig. Zuviel The Prodigy, zu viele „Fuck´s“, zu dicke Hose unterm Kummerbund. Mit „Club Exploitation“ hätte man sich auch beim Eurovision Songcontest bewerben können, inklusive schlimmem Mädels-Backgroundchor. Das ist „pfui“ und tut bei aller Eingängigkeit auch echt weh.

Das komischste an diesem Versuch neu zu klingen ist, dass es überhaupt nicht funktioniert. Die zwölf Songs dieses Albums hätten genauso auch 2000 erscheinen können. Man versucht und bastelt und generiert viele neue (und auch häufig gute) Ideen, aber 4LYN hängen dennoch fest an ihrer Millennium- Wurzel, ob sie wollen oder nicht.

Hätte man sich mehr auf die Songs und weniger auf die Effekte konzentriert, wäre mit Sicherheit ein überzeugenderes Werk dabei herausgekommen. So ist „Quasar“ leider nur Durchschnitt. Einige Songs blitzen dennoch auf. „When Alone“ verfügt über eine schöne Stimmung, „Frost“ verfügt über die Art von Chorus, die man von dieser Band hören will. Bei „Hollow Man“ darf Frontmann Ron zeigen, dass er prima singen kann. Fazit: Stillstand ist der Tod. Aber manchmal besser.


Jan Hagerodt
(5 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.4lyn.de
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