Gehört und Gesehen - Paul Wer?

18.05.2012Matthew Graye

Matthew Graye

Paul Wer?

That Sunday Recordings (2012, Vinyl)

Streber-Punk und Beton-Reggae – das sind zwei Begriffe, mit denen ich wirklich gar nichts anfangen kann. Deswegen war ich umso gespannter, als ich die Platte „Paul Wer?“ von den Hildesheimern Matthew Graye in den Plattenspieler legte.

Mit dem EP-Package haben es die acht Jungs und Mädchen ziemlich gut gemeint: Neben der Platte gibt es noch eine Postkarte, einen Button sowie einen extra beigelegten Zettel mit den Lyrics und MP3-Download-Code. Im ersten Lied „Paul W.“ heißt es „Paul W.! Von allem viel zu viel!“. Böse Zungen könnten jetzt zischen, dass man das auch auf die Aufmachung des Packages übertragen könnte. Aber so etwas ist eben Geschmackssache, Lieblosigkeit kann man der Band jedenfalls definitiv nicht vorwerfen. Das Toast auf dem Cover rührt anscheinend von der Vorliebe der Band für Toast anstatt Schokowaffeln zum Frühstück, was ein schlauer Fuchs wohl eher als eine Metapher der fehlenden Rockstarallüren der Band deuten könnte. Anders kann ich es mir jedenfalls nicht erklären, dass jemand tatsächlich beim Frühstück die Finger von Schokowaffeln lässt.

Leider kommt die Musik auf Platte lange nicht so gut rüber wie live und die gute Stimmung die Matthew Graye auf der Bühne versprühen hält sich Zuhause aus den Boxen drönend eher etwas im Hintergrund. Da springt der Funke bei mir irgendwie nicht so ganz über. Die Musik ist eine typische Mischung aus Pop, Ska und leichten Punk- und Reggae-Ansätzen. Und so eine Musik macht meistens live einfach viel mehr Spaß, zumal die Hildesheimer eine wirklich gute Bühnenpräsenz ihr Eigen nennen können und sie live deutlich mehr Spaß machen.

Die deutschen Texte sind zwar keine lyrischen Meisterleistungen, aber immer noch entfernt vom Fremdschämen, was bei deutschen Texten ja des Öfteren der Fall ist. „Wesen“ finde ich da schon etwas grenzwertig, aber so ein Ausrutscher kann ja mal passieren.

Generell wäre ein bisschen mehr Abwechslung ganz nett, vor allem in den Gesangsmelodien. Da wird nämlich Hauptsächlich auf Sprechgesang gesetzt. Immerhin gibt es in „Bleib Stehen“ einen „Rap-Part“ der einerseits ganz cool ist, andererseits aber auch ein wenig deplatziert wirkt.

Mit den Begriffen Streber-Punk und Beton-Reggae kann ich zwar immer noch nichts anfangen, aber eines ist klar: Live überzeugt mich die Band um einiges mehr als auf Platte!


Hanna Rühaak
(5 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.matthewgraye.com

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