Gehört und Gesehen - IN VIA

26.04.2012Frames

Frames

IN VIA

Steamhammer / SPV (2012, CD)

Zum neuen Album der hannoverschen NewArtRock/Alternative-Band Frames könnte man eine Besprechung in Romanlänge schreiben oder sich die Zähne daran ausbeißen, sich einigermaßen kurz zu fassen. Der Versuch soll es sein: Mund auf, Zähne zeigen, tief Luft holen und erstmal staunen.

Staunen darüber, was die Band hier für ein in sich schlüssiges und inhaltlich dennoch offenes Gesamtkunstwerk geschaffen hat. Die instrumentale Musik, die sich stellenweise auch sehr gut für die Vertonung von mitreißenden Filmen im Breitwandformat eignen würde, ist hochgradig intensiv, kraftvoll und ungeheuer dynamisch. Wer auf international schon lange renommierte Instrumental-Formationen wie etwa Mogwai steht, könnte sehr viel Freunde mit Frames und „IN VIA“ haben.

Selten beschreiben Medieninfos die Musik auf einem Album so treffend, wie das bei Frames der Fall ist, so dass es ausnahmsweise mal gestattet sein sollte einen Absatz daraus zu zitieren: „Mit spielerischer Leichtigkeit verwandeln sich brachiale Gitarrenriffs in romantische Melodien, treibende Drums durchqueren düstere Nebel auf ihrer Suche nach dem erlösenden Sonnenstrahl, zarte Pianosequenzen tänzeln auf steinigem Fundament bevor sie sich zum einem Sturm vereinigen. Kapitel um Kapitel, Song um Song vernetzen sich emotionale Gedankenstränge zu persönlichen Geschichten, real oder fiktiv, konzentriert oder ausufernd.“

„IN VIA“ beeindruckend auch von der Produktion her, die unter der Regie von Arne Borchard (Aufnahmen und Mix), sowie Florentin Adolf und Willi Dammeier (Mastering) im Institut für Wohlklangforschung in Hannover stattfand.

Kompositionen, Spieltechnik und Klang sind von höherem internationalen Niveau. Mit diesem Album kann sich die Band in der Riege der berühmten Genre-Größen mühelos einreihen, ohne dabei rot oder blass zu werden. Eine zentrale Funktion im Kontext dieses Albums nimmt auch das berühmte Gedicht „Stufen“ von Hermann Hesse ein. Es sind besondere Gänsehautmomente, wenn die das Gedicht vortragende Stimme des 1962 verstorbenen Schriftstellers fein in die Musik hineingemischt wird.

Insgesamt sind das hohe Ästhetik und große Kunst die Frames hier bieten. Wenn man überhaupt einen Ansatz der Kritik finden will, dann höchstens, dass dieses Werk noch Möglichkeiten böte, es noch ein wenig abwechslungsreicher zu gestalten, eventuell auch vielfältiger zu instrumentieren. Allerdings kann man es auch übertreiben und sich dabei verzetteln. Das ist Frames und ihrem Team nicht passiert.


Andreas Haug
(9 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.framesmusic.com

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