Gehört und Gesehen - Noctourniquet

06.04.2012The Mars Volta

The Mars Volta

Noctourniquet

Warner Music Group (2012, CD)

The Mars Volta sind eine der Bands, die vor allem die progressive/ härtere Schiene der Rocklandschaft nachhaltig beeinflusst haben. Kapellen dieses Genres nennen die mexikanisch/ puerto-ricanische Band häufig als Inspirationsquelle, leider meistens ohne deren Innovativität auch nur annähernd zu erreichen.

Der Titel deutet schon an, dass es dunkel wird auf diesem Album. Und in der Tat ist Noctourniquet natürlich kein Gute-Laune Werk. Hätte aber wahrscheinlich auch niemand erwartet. Zappelnde Drum-Linien, nervende Effektspielereien, dröhnende Gitarren und langgezogene Gesangslinien. The Mars Volta bedienen Fans ihrer Musik auf den 13 Tracks gewohnt gut und versuchen wie immer bestehende Grenzen zu zerbröseln.

Dass das alles unglaublich anstrengend und nur nach einem guten Frühstück zu verdauen ist, versteht sich von selbst. Entweder man liebt die abgefahren Kombi oder man hält sie für die schlechteste Jam-Session aller Zeiten. Mir persönlich drängt sich die Frage auf, ob die Mannen zuviel oder zuwenig Zeit am Reißbrett ihrer Songs verbracht haben. Einige Songs sind schon fast an der Grenze zu „normal“, wenngleich „easy-listening“ selbstredend noch meilenweit entfernt ist. Zeitgleich scheint es der Band schwer zu fallen noch wirklich innovative Ansätze zu erfinden. Gelingen tut das in wenigen Ausnahmen („In Absentia“). Hier lohnt es sich die ultra-anstrengenden ersten fünf Minuten durchzuhalten.

Das Drumming bekommt ´nen Daumen nach oben und auch der Gesamtsound ist ein Knaller. Irgendwie fehlt aber häufig ein Ziel, auf dass die Kompositionen hinsteuern. Ziellos kann ja auch toll sein, nur muss es einen dann schon auf dem Weg packen. Das tut´s leider selten.

Auf dem Hurricane und Southside ist die Band schon bestätigt, direkt im Anschluss wird´s auch ein Clubkonzert im Kölner E-Werk geben. Dort kann man sich dann mal davon überzeugen, wie die Platte live rüberkommt.

Fazit: Schwere Kost, die sich aufbäumt und um sich tritt – häufig leider in´s Leere.


Jan Hagerodt
(6 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.themarsvolta.com

Weitere oder ähnliche CD/DVD-Besprechungen:
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The Mars Volta - Frances The Mute (2005)
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