Gehört und Gesehen - We Come In Peace

06.04.2012Cirque Royal

Cirque Royal

We Come In Peace

intono records / Rough Trade (2012, CD)

Die gute Nachricht gleich zu Beginn: Das Debütalbum der aus Konstanz am schönen Bodensee stammenden Band Cirque Royal hat den Umfang, wie ihn Langspielplatten meist auch vor Jahrzehnten hatten: Zehn Songs mit etwas über 43 Minuten Spieldauer.

Angenehm möchte man meinen, ist es doch heutzutage nicht ganz unüblich, Alben mit 14 oder mehr Songs abzuliefern und den Hörer über 60 oder gar 70 Minuten fesseln zu wollen, was am Ende den wenigsten Bands gelingt.

Mit diesen zehn, ausnahmslos sehr gelungenen Kompositionen geben Cirque Royal eine glänzende Visitenkarte ab und machen großen Appetit auf Konzerte, wo der, nach eigener Darstellung der Band, „Space-Rock“, seine ganze Wirkung vollends und noch nachhaltiger entfalten dürfte als auf diesem Album. Dass keine Missverständnisse auftreten: Das Album ist großartig produziert und setzt die Songs exzellent in Szene.

Cirque Royal verbinden Indie-Rock mit poppigen Elementen und schlagen eine breite und stabile Brücke hinüber zu modernem Progressive Rock. Die Musik schöpft ihre Kraft vor allem durch ihre Atmosphäre, das ausdrucksstarke Gesamtklangbild, das vor allem von sehr fein und ästhetischer Gitarrenarbeit geprägt ist. Apropos Gitarren: Diese sind auf diesem Album in Sachen Sounds und Platzierung ganz besonders zu erwähnen. Dass der den meisten als Gitarrist von Blackmail bekannte Kurz Ebelhäuser dieses Album produziert hat, lässt Kenner erahnen, dass das, was hier auf „We Come In Peace“ speziell mit den Gitarren passiert, ganz großes Kino sein könnte und so ist es dann auch.

Zwischen Indie-Rock und Progressive-Rock mit leicht poppigem Einschlag, dezent eingestreuten schönen Melodiebögen und breiten Soundbildern, lässt Cirque Royal schonmal des Öfteren an die vor einigen Jahren hoch angesehene Band Slut erinnern, die für anspruchsvollen, aber dennoch songorientierten Gitarren-Indie mit Elektronik und Hang zum Progressiven stand und von der man schon seit längerem nichts mehr gehört hat.

Womöglich kann Cirque Royal mit ihrem ähnlich eigenständigen Stil hier eine Lücke schließen. Darüber hinaus mag man der Band, die mit David Leon über einen sehr guten Sänger mit markanter Stimme verfügt, auch unterstellen, schon einmal etwas von Bands wie Pink Floyd oder Porcupine Tree gehört zu haben, wenn diese ein wenig leichtere und nicht ganz so düstere Musik spielen.

Ein anspruchsvolles, aber nicht schwer zugängliches Album. Zwischen Indie-und Prog, teilsweise vertraut klingend, aber nicht von der Stange. Spannend, aber nicht kompliziert.


Andreas Haug
(8 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.cirqueroyal.de
www.intono.de
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